Ein Pfund Hirn

Ich hatte ja schonmal was zu den Damen und Herren geschrieben, die in der sog. FEM-Simulation - aka Funktionsauslegung - arbeiten. Jedoch erscheint es mir wichtig, nochmal auf die interne Anatomie solcher Teams hinzuweisen, denn es gibt da einige ganz typische Vertreter, die ich bisher wirklich noch in jedem Team gefunden habe:

  1. Das Mathematik-Genie: Ja, einen - bzw. eine - davon gibt es in jeder Simulanten-Abteilung. Oftmals jemand, der nach einem abgebrochenen Mathe-Studium entdeckt hat, daß er lieber etwas praxisnäheres arbeiten möchte. Man kann in der Kaffeeküche stundenlang fasziniert zuhören, wenn zwei Vertreter dieser Spezies sich über den Weg laufen, einen naturwissenschaftlichen Studiengang mal vorausgesetzt. Die Mathematik-Genies sind im Normalfall die Mitglieder des Teams, die am stärksten nikotinsüchtig sind.
  2. Den Materialwissenschafts-Freak: Meist eben gerade kein Maschinenbauer - da würde es ja nicht verwundern - sondern einfach nur ein Folienfetischist. Wieso Folien? Tja, Folien auf dünnen Flächen, z.B. I-Tafeln, können, wenn man es falsch macht, durchaus mal Abweichungen von bis zu 0,2 Grad nach einer Crash-Simulation verursachen. Und da blüht der Materialwissenschaftler auf: Ob Schaumstoff, Sprühschaum oder Folien, ob Plasitk, Aluminium oder Chrom, er kennt sämtliche relevanten Materialdaten. Die Folienfetischisten sind auffällig oft Brillenträger und von eher kleinem Wuchs.
  3. Den Skriptgott: FEM wird immer noch sehr viel auf Unix-Rechnern gemacht, und meistens sind sowohl Eingabe- als auch Ausgabedaten der Berechnungsläufe reine Textdateien. Da bietet es sich natürlich an, das ganze zu automatisieren, soweit möglich, und hier ist der Skriptgott in seinem Element. Interessanterweise sind die Skriptgötter oft die jüngsten und normalsten Mitglieder der Simulanten-Truppe.
  4. Die toughe Alibi-Frau: In einer reinen Männerdomäne ist sie noch tougher als ihre männlichen Kollegen. Sie trägt kein Makeup, keine hochhackigen Schuhe und keine Röcke. Sie macht derbere Witze als ihre männlichen Kollegen und läßt keine Gelegenheit aus, über andere, weniger toughe Frauen herzuziehen.

So, ich hoffe, ich konnte hier etwas Licht ins Dunkel bringen. Und zum Abschluß noch ein Zitat einer Vertreterin des dritten, o.g. Typs: “Empfang? Ach, Du meinst fünf Pfund Brüste und ein Pfund Hirn?”

Euch allen ein schönes Wochenende!