Dieser verblödete Vampir-Hype

Mal ganz davon abgesehen, daß es garantiert keine gute Idee gewesen wäre, gestern noch was für Weihnachten einkaufen zu wollen - die Menschenmassen, die die U-Bahnen im fünf Minuten-Takt ausgespuckt haben, waren da ein deutlicher Warnhinweis - falls man doch noch keine Weihnachtsgeschenke gehabt hätte, also mal davon abgesehen, war ich gestern auch gar nicht in der Stadt. Aber am Wochenende davor. Während sich zwei gewisse weibliche Wesen sofort abgesetzt haben, um einen ausgedehnten Schaufenster- und Geschäfte-Bummel zu unternehmen, bei dem meine Anwesenheit eher unerwünscht war (Zitat: „Wenn Du dabei bist kann man nie ernsthaft bummeln!”), bin ich selbst einer meiner Lieblingsbeschäftigungen (oder besser gesagt: Lieblingsbeschäftigungen für solche Fälle) nachgegangen, nämlich, in Buchläden herumzuhängen. Auf den ersten Blick war da auch alles wie immer: Krimis hier, Neuerscheinungen dort, Taschenbücher hinten links, SciFi und Fantasy um die Ecke und… WTF?

Tja. Ich habe noch selten erlebt, daß „WTF” alle meine Gedanken so gut beschreibt. Neben dem Tisch mit Fantasy- und ScFi-Literatur war da jetzt noch ein neuer Tisch - voller Vampirromane. Und damit nicht genug, es gibt nicht nur Bücher über sowas zu kaufen, nein, da hingen an der Wand auch Kalender (sic!), auf denen Zeichnungen zu sehen waren, die ich irgendwo zwischen Gothic, Folter und Hardcore-BDSM (mit ausgeprägtem Blut-Fetisch) einordnen würde. Da gibt es dann z.B. eine Special-Edition-Box der New Moon-Reihe, in den Farben schwarz, schwarz, rot, schwarz, weiß und schwarz. Auf Englisch. Nun hat unser kleiner Rauschgoldengel ja leider auch so einen ausnehmend neben der Spur liegenden Geschmack, so daß ich diese Reihe - wenigstens als Einzelbücher - im englischen Originaltitel zumindest vom sehen her schon kannte. Und da Madame manchmal leichte Probleme mit der englsichen Sprache hat, durfte ich auch schon des öfteren mal ein paar Seiten dieser Bücher lesen (und übersetzen). Mal abgesehen davon, was man von Stephenie Meyers’ Schreibstil halten mag: Was für ein Frauenbild ist das da eigentlich in diesem Buch? Verstehen sich Frauen im 21. Jahrhundert wirklich so? Kochen, Aufräumen, Haushalt, Mann anschmachten, Kinder kriegen? Ich dachte zuerst, ich hätte vielleicht nur ein paar wenige, nicht repräsentative Stellen beim Übersetzen erwischt, aber da mich die selben beiden „Weibsbilder”, mit denen dieses Posting angefangen hat, in den Kinofilm (den ersten!) geschleift haben, ist mir klar, daß ich mich nicht geirrt habe. Und das interessante ist, daß die Frauen das alles anscheinend total ausblenden können: In der Firma habe ich meine Argumente mal gegenüber zwei Kolleginnen angebracht, die von ebenjener Buch-/Filmreihe schwärmten, und was war die Antwort: „Das ist halt ein Frauenfilm!” So ein Käse. „Sex And The City” ist eine Frauenserie, aber die Frauen da kochen auch nicht die ganze Zeit (oder machen Haushalt und kriegen Kinder. Schwanger dagegen werden zwei dagegen glaube ich schon)!

Es geht aber immer noch schlimmer. Unser Rauschgoldengelchen hat eine neue Autorin angeschleppt, auch Vampirromane. Jennifer Armintrout. Und ich Trottel hab natürlich aus Neugier mal ein paar Seiten angelesen. Meine Güte. Das ist wirklich eine Zumutung. Man fühlt sich beim Lesen wie bei einer Lobotomie - bei vollem Bewusstsein. Oder als würden einem jemand mit einer stumpfen Rasierklinge Schicht für Schicht das Gehirn abtragen. Und welche Antwort kriegt man, wenn man mal vorsichtig nachfragt: „Das Buch ist aber doch toll, das hat alles, das ist spannend, sexy und romantisch.” Meine Fresse. Ich würde hier gerne mal ein oder zwei Abschnitte zitieren, befürchte aber, daß dieses Blog dann nicht mehr jugendfrei wäre.

Tja. Und jetzt steht hängen BDSM-Kalender im Buchladen, und es hat einen ganzen Grabbeltisch voller Vampirliteratur. Was soll man dazu sagen? Mich nervts. Vor allem, wenn Amazon anfängt, einem Vampirbücher zu empfehlen. Weil man sich mal was von Kathy Reichs gekauft hat. Ist klar.

Schaut nächste Woche wieder rein, dann lästere ich über „All-Age-Fantasy”. Oder vielleicht auch nicht. Da ist ja Weihnachten. Gerade laufen die „4 Non Blondes”. Ich frage mich, was die zum derzeitigen Vampirroman-Hype gesagt hätten.