The Three Body Problem und das Fermi-Paradoxon

Es ist schon lange her, dass ich mich mal bemüßigt fühlte, hier von einem Buch zu berichten, aber heute muß ich das tun. Genauer geht es nicht um ein Buch, sondern eigentlich um eine Trilogie (auch wenn ich erst zwei der drei Bücher gelesen habe). Noch selten hat mich ein einzelnes Buch so fasziniert wie The Three Body Problem, der erste Band aus der Reihe Remembrance of Earth’s Past. Ich will die Handlung hier auf keinen Fall spoilern, es sei nur gesagt, dass sie mich so gefesselt hat, daß ich vor Frustration buchstäblich aufgeschrien habe, als ich die letzte Seite auf meinem Kindle im Urlaub fertig hatte, es immer noch so spannend war und ich kein nutzbares WLAN in Reichweite hatte.

Neben der spannenden Handlung bietet das Buch eine fast schon poetische Sprache (an dieser Stelle ein großes Lob an den Übersetzer!), viele philosophisch hoch interessante Fragestellungen und faszinierende Perspektiven (z.B. die einer Akademikerin während der kulturellen Revolution in China). Der erste Band hat mich von Anfang bis Ende gefesselt, ich kann nur eine uneingeschränkte Lese-Empfehlung aussprechen.

Der zweite Band The Dark Forestist ebenfalls noch sehr gut, krankt aber meiner Meinung nach etwas am Ehrgeiz des Autors, der hier einfach versucht, eine zu große Geschichte zu beschreiben. Nichts desto trotz kann ich aber auch den zweiten Teil nur empfehlen.

Ob ich den dritten Teile lese, weiß ich noch nicht. Falls doch werde ich hier berichten :-)

SPOILER ALERT: Wer den nächsten Absatz liest erfährt möglicherweise Dinge über die Handlung der Trilogie:

Es macht überhaupt keinen Sinn anzunehmen, dass es möglich ist, sich im Universum zu verstecken. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass wir uns “nur” vor einer Typ 2 Kardashev-Zivilisation verstecken wollen: Wie soll das gehen? Seit die ersten Cyanobakterien auf der Erde angefangen haben, Sauerstoff zu produzieren, ist für jeden mit der entsprechenden Technik sehr sehr klar erkennbar, dass es auf unserem blauen Planeten Leben gibt. Wenn es da draußen dann eine Zivilisation geben würde, die dermaßen paranoid ist und erst schießt und dann Fragen stellt, dann hätte besagte Kultur unseren Planeten schon vor Ewigkeiten sterilisieren können. Zudem: Es stimmt, dass Ressourcen endlich sind, aber in interstellaren Maßstäben - vorausgesetzt man erfindet keine FTL-Reisen - macht es keinen Sinn, nach weiteren Ressourcen in fremden Systemen zu suchen. Die meisten durchschnittlichen Sonnensysteme sind, bei entsprechender Nutzung via Dyson-Sphären oder Schwärmen, groß genug um gigantischen Zivilisationen Platz zu bieten. Also, allein aus der Tatsache, dass wir noch da sind, können wir schließen, dass es eben gerade keine Zivilisation in unserer Galaxie gibt, die entsprechend paranoid ist. Somit ist das keine gute Lösung für das Fermi-Paradox.