Liebe Recruiterinnen und Recruiter...

…angesichts der Tatsache, dass ich mit einem nicht besonders alten Profil auf XING trotzdem schon über 1000 Nachrichten bzgl. neuer Job-Chancen erhalten habe dachte ich mir, ich tue mal so, als wäre heute schon Weihnachten. Es gibt nämlich ein paar Dinge, die ich mir wünschen würde, und ich wäre auch an Feedback interessiert, was Euch denn so am meisten stört.

Generell ist XING natürlich eine Plattform, bei der es vielen voranging darum geht, sich beruflich weiter zu entwickeln. Dass man deswegen dort selten private Nachrichten austauscht, ist klar, aber auch bei geschäftlichen Kontakten sind mir einfach ein paar Dinge wichtig, was Form und Inhalt des Anschreibens angeht. Werden die eingehalten ist die Chance, dass ich antworte, auch gleich mal um einige hundert Prozente höher.

Intermezzo: Ich habe übrigens den Verdacht, daß ein Teil der Recruiting-Jobs ganz schön “tough” ist: Mit einigen, die mich so im Lauf der Jahre angeschrieben haben, bin ich in Kontakt geblieben, und die Anzahl der Wechsel, die sich dort ergeben, finde ich schon ganz schön heftig. Und was ich teilweise bei Telefongesprächen von den in der Branche anscheinend üblichen Arbeitszeiten erfahren habe, hat diesen Eindruck nur verstärkt. Ich verstehe also, dass man vielleicht nicht immer soviel Zeit hat, eine initiale Kontaktaufnahme ideal zu gestalten.

Schauen wir uns trotzdem mal ein paar Dinge an, von denen ich glaube, dass sie die Chancen, eine Antwort zu bekommen, stark erhöhen würden:

  1. Ich freue mich immer, wenn in der ersten Nachricht erkennbar ist, dass die schreibende Person sich auch mit der Form Mühe gegeben hat. Wenn ich in der Anrede “Hallo Herr Förster” lese und weiter unten dann “hast Du Lust auf neue Herausforderungen”, dann will ich eigentlich gar nicht weiterlesen. Was ich hingegen gut verzeihen kann sind Tippfehler.
  2. Auf XING gibt es einen Unterschied zwischen dem Versenden einer Nachricht und dem Versenden einer Kontaktanfrage: Auch bei letzterer kann man eine Botschaft mitschicken, aber zum einen ist das Antworten umständlicher, und zum anderen finde ich das ziemlich dreist - wer würde denn schon in anderen Netzwerken wildfremden Leuten, zu denen man wirklich gar keinen Bezug hat, Kontaktanfragen schicken? Mittlerweile klicke ich hier meist nur noch kommentarlos auf “Ablehnen” und versuche nicht einmal mehr, zu erklären, warum ich das getan habe (wobei ich in Zukunft vielleicht wieder auf den Artikel hier verlinken werde).
  3. Warum sollten wir in Kontakt bleiben? In den meisten Fällen ist die rekrutierende Person eine von vielen, da gibt es wenig Grund, ausgerechnet mit genau diesem Menschen in Kontakt zu bleiben. Und das gilt doch auch anders herum: Wenn man als rekrutierende Person hunderte Menschen anschreibt, will man wirklich mit denen in Kontakt bleiben? Ich verstehe, woher die Floskel kommt, und manch einer mag den eigenen Wert auch über die Anzahl der Kontakte bemessen, für sinnvoll halte ich das jedoch nicht. Dafür aber meist für unehrlich.
  4. Ich habe keine Ahnung, warum in den ersten Anschreiben so oft nicht gesagt wird, um welche Firma es sich handelt. Hat man Angst, dass ein Kandidat sich dann direkt an die Firma wendet und man selbst ausgebootet wird? Erwartet man damit, die Chancen auf eine Kontaktaufnahme zu erhöhen? Bei mir kommt das eigentlich immer gegenteilig an: Wenn man Angst hat, ein Kandidat könnte sich direkt an die Firma, für die man tätig ist, wenden, dann ist man sich offensichtlich nicht sicher, mit besagter Firma partnerschaftlich zusammen zu arbeiten. Was soll ich als potenzieller Kandidat davon halten? Und wenn man denkt, den Kandidaten nur über solche “Tricks” dazu zu kriegen sich zu melden, dann hat man anscheinend auch nicht viel vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Generell will ich eigentlich von Anfang an wissen, um welchen Arbeitgeber es geht. Dann kann ich mich umfassend über das Unternehmen informieren und dann bei Interesse gleich mit fundierten Fragen in den Bewerbungsprozess einsteigen.
  5. Es macht glaube ich Sinn, wenn man nur den Leuten Stellen anbietet, die in gewisser Weise für selbige geeignet sind, oder wo man wenigstens den Verdacht haben könnte, es bestünde vielleicht Interesse. Wer mein Profil bei XING liest und mir dann Windows-Stellen vorschlägt zeigt einfach, das Ganze in Massenabfertigung zu tun.
  6. Höflichkeit und Verbindlichkeit sind auch im geschäftlichen Umfeld wichtig: Es kostet keine 10 Sekunden, sich für eine Nachricht - oder eine Antwort auf solche - zu bedanken. Eine schöne Woche oder ein erholsames Wochenende zu wünschen geht genauso schnell, ebenso wie alles Gute für die Zukunft.

Unter all den Anschriften auf XING in den letzten Jahre gibt es eigentlich nur eine Person (hallo Hendrik!), die mir im Gedächtnis geblieben ist und die von Anfang bis Ende seriös und souverän gewirkt hat, mit Wiedervorlagen umgehen konnte etc. Also entweder erwarte ich zuviel oder diverse Leute da draußen haben Nachholbedarf.

Wie seht ihr das? Schreibt mir gerne Mails oder Nachrichten auf XING, dann kann ich hier - anonymisiert - repräsentative Zuschriften veröffentlichen.