Conslutants: Eigen- und Fremdwahrnehmung

Ich war heute in Nürnberg auf der DOAG-Konferenz. Ziemlich viele gute Vorträge (da ich ja kein echter DBA bin sitze ich nicht so viel in den DB-, sondern eher in den Infrastruktur-Vorträgen), aber einer war eine echte Niete. Ein Conslutant hat vorgestellt, wie er und seine Kollegen einem bekannten deutschen Unternehmen, das wir im folgenden mal die Firma GmbH nennen wollen, dabei geholfen haben, ein Migrationsprojekt abzuschließen, das selbige Firma nicht alleine auf die Reihe gekriegt hat. Und irgendwie ist mir trotz Diskussion mit dem Vortragenden im Anschluß an dessen Präsentation immer noch nicht klar, was eigentlich der Verdienst besagter Beratungsfirma war.

Die beschriebene Situation war folgende: Migration von einem 3-Node RAC-Cluster mit 10.1.x.y auf einen 4-Node RAC-Cluster mit 11.2.x.y. Migration von alter auf neue Storage. Bisserl Kleinkram hintendran (geänderte ETL-Prozesse für das Data Warehouse etc.), aber nix weltbewegendes dabei. Was war passiert? Die Firma GmbH wollte hochverfügbare Storage, die schnell ist. Also redundanter Betrieb, aber die Verfügbarkeit sollte nicht durch ASM-Mirroring erreicht werden, sondern eben von der Storage kommen. Dummerweise waren die Leute, die die Storage gekauft haben, anscheinend nicht auf der Höhe ihres Jobs und haben eine Storage gekauft, die weder hochverfügbar noch schnell, dafür aber teuer war. Ferner hatte monatelang keine in der Firma GmbH den Arsch in der Hose, den Fehler einzugestehen und die Geschäftsführung um Geld für eine neue Storage zu bitten - und diesmal mit dem Hersteller zu vereinbaren, das man das Ding erst abnimmt, wenn man nachgemessen hat, das es schnell ist.

Fremdwahrnehmung: Die Consulting-Bude kam an, hat die Projektleitung abgesägt, viel Geld für eine neue, schnelle Storage ausgegeben, die vorhandene Storage für teueres Geld erweitert und die fehlenden HA-Features via teurem SAN-Virtualisierer nachgerüstet, womit das Ding dann schneller wurde, als man es jemals benötigt hat. Die IT’ler haben paar Nachtschichten geschoben (so what?). Und am Ende haben sie nach Stundensatz abgerechnet.

Eigenwahrnehmung: Die Consulting-Bude kam an und hat die bestehende Projektleitung bei der Ausarbeitung eines Notfallplans unterstützt. Im ersten Schritt wurde ein neuer Storage-Partner an Bord geholt, von dem man schnelle Storage sehen wollte - unter der Bedingung, daß man die alte Storage weiterverwenden kann. Ferner hat sie mit modersten Methoden des Projektmanagements die noch zu erledigenden Arbeiten parallelisiert (z.B. wurde der RAC-Cluster parallel zur Anschaffung der neuen Storage eingerichtet). Man hat klar kommuniziert und die bestehende Projektleitung hat die Führung des Projekts an die Conslutants abgegeben. Der Storage-Partner hat selbstlos zwei extrem schnelle Storages zur Verfügung gestellt, um die Migration zu beschleunigen, weil die Firma GmbH ihm auf Anraten der Consluting-Firma den SAN-Virtualisierer abgekauft hat. Selbiger Virtualisierer hat ermöglicht, daß man die bestehende Storage mitbenutzen kann (das waren ursprünglich zwei getrennte Systeme, die man dann zu einem zusammengefasst hat, um die Performance hinzubekommen - na ja, fast hinzubekommen, man musste da nochmal nachkaufen). Die Migration konnte durchgeführt werden, woraufhin die Geschäftsleitung der Firma GmbH, die toll mit den Conslutants zusammengearbeitet hat, sich dazu entschlossen hat, dem Storage-Partner noch eine der schnellen Storages abzukaufen (was für letzteren bestimmt total überraschend war!). Das ganze war nur durch die langjährige Erfahrung der Berater möglich - und durch den selbstlosen Einsatz der Mitarbeiter. Die Firma GmbH ist heute Referenzkunde bei besagtem Beratungsdienstleister.

WTF?