In den letzten zehn Jahren habe ich, grob geschätzt, so um die 250 Menschen kennengelernt, denen man auf die eine oder andere Art und Weise den Stempel „IT'ler” verpassen kann. Ungefähr 30 davon haben zwar offiziell zu den jeweiligen IT-Abteilungen (bzw. allgemein IT-affinen Organisationseinheiten, also mit „IT als Selbstzweck”) gehört, waren aber eigentlich nicht wirklich Techniker, sondern hatten meistens Aufgaben in den Bereichen Einkauf bzw. Beschaffung, Reporting und Analyse, Assistenz und Organisation, Führung und Management sowie - wahrscheinlich unvermeidlich in der heutigen Zeit - Datenschutz und Juristerei. Nicht mitgezählt habe ich hier all die Leute, die zwar in ihrer Freizeit teils sehr tief in IT-Themen eingestiegen sind (ein weit verbreitetes Phänomen im OSS-Umfeld), deren Arbeit aber nichts mit der Planung oder der Verwaltung von IT-Systemen und -Strategien zu tun hatte.
Jetzt wird sich der eine oder andere denken: „Ok, der Stefan kennt knappe 220 Techniker. So what?” Ich will über einen Punkt schreiben, der in der Branche als gegeben hingenommen wird - nämlich über die Frauenquote. Zwei Tage lang habe ich mir das Hirn zermartert, damit mir auch wirklich jede einzelne Frau einfällt, die ich in dem genannten Technikbereich kenne, und trotzdem ist die Zahl, die mir einfällt, ernüchternd: Es sind genau sieben gewesen. Der Frauenanteil ist liegt damit bei knapp über drei Prozent. Das alleine ist eigentlich schon eine Zahl, die jedem Gleichstellungsbeauftragten (wer jetzt über die „ungegenderte” Sprache meckern will, der soll das tun) die Schamesröte ins Gesicht treiben könnte. So richtig schlimm wird es aber, wenn ich Dinge wie Softwareentwicklung mal ausblende und mich nur auf die Leute beschränke, die Systeme wirklich auch administrieren: Hier gab es genau zwei Frauen - und das schlimme ist, von denen war die eine wohl auch ziemlich unfähig, zumindest habe ich damals life miterlebt, wie sie einen recht großen Fileserver in rauchende Einzelteile (softwaretechnisch gesprochen) zerlegt hat. Also waren von all den Leuten nur 0,5% fähige, weibliche Administratoren (daß die Quote von Könnern zu Nullen bei den Männern auch nicht immer toll ist, das steht auf einem ganz anderen Blatt).
Woran liegt das? Warum ist der Frauenanteil in der IT gefühlt niedriger als selbst der Anteil von Frauen auf einer durchschnittlichen Baustelle? Bei letztgenannteren Tätigkeiten kann man wenigstens rein biologisch damit argumentieren, daß Männer es halt etwas einfacher haben, wenn viele körperlich anstrengende Tätigkeiten zu leisten sind, weil der unterschiedliche Hormoncocktail in unserem Blut halt den Aufbau von Muskelmasse einfacher gestaltet. Aber in IT-nahen Berufen? Die größte Arbeitsanstrengung da dürfte es sein, irgendwelche Server in irgendwelche Racks einzubauen, und dafür gibt's eigentlich Praktikanten - und selbst wenn nicht, so schwer sind die Dinger mittlerweile nicht mehr, und man kriegt die sowieso besser zu zweit eingebaut (Dell Führungsschienen, anyone?), womit das Gewicht dann völlig irrelevant wird. Im Gegenteil, von außen betrachtet, unterscheidet sich der Job einer, sagen wir mal, Systemadministratorin nicht wirklich viel von dem einer Sekretärin oder Controllerin: Beide dürften den Großteil des Tages vor einem Rechner sitzen, Zeit in Besprechungen totschlagen und auch ansonsten für die diversen „produktiven” Abteilungen eines Unternehmens arbeiten. Und trotzdem könnte der Frauenanteil (letztes mir bekanntes Unternehmen: 100% aller Controlling-Mitarbeiter weiblich, 0% aller Techniker in der IT weiblich) kaum unterschiedlicher ausfallen. Selbst an der Uni war der Frauenanteil unter den Studenten verschwindend gering (obwohl wir damals sogar zwei Professorinnen hatten!), und von den Frauen, mit denen ich noch Kontakt habe, ist keine einzige in der techniknahen IT gelandet.
Wo also liegt das Problem? Wieso ist es für Frauen offensichtlich so unattraktiv, sich in derartige technische Tätigkeiten einzufinden?
„Dies Irae” - allerdings von Verdi, nicht von Mozart. Dummerweise weiß ich nicht mehr, von wann oder mit wem die Aufnahme ist - es klingt aber nach Karajan. Nur leider habe ich „auf die Schnelle” keine Aufnahme davon mit Karajan als Dirigent in den einschlägigen Musikkatalogen (wie z.B. Deutsche Grammophon) finden können. Falls mir da wer weiterhelfen kann...