Geschrieben in
Menschliches
Dienstag, 29. April 2008
Viele von Euch, die hier mitlesen, dürften in einer festen Beziehung sein. Ich hoffe - oder wünsche mir - daß die meisten von Euch auch wirklich glücklich in dieser sind. Aber seid mal ehrlich - schaut ihr denn nicht auch manchmal nach links oder nach rechts? Oder, wie Babs es mal gesagt hat, „Ich bin nicht blind, ich bin nur verheiratet!” Es geht mir aber nicht darum, daß man mal wem nachschaut - solche Kleinigkeiten stören ja doch niemanden. Stellt Euch statt dessen vor, daß ihr plötzlich die eine Person treffen würdet, mit der ihr gerne Zeit verbringt. Viel oder wenig Zeit, je nachdem, wie es Euer Alltag erlaubt. Ob diese Person Single ist oder nicht, spielt keine Rolle. Und egal, wie glücklich ihr beteuert in Euren Beziehungen zu sein - irgendwann kommt der Moment, an dem Eure Freunde, die Euch regelmäßig zusammen sehen, etwas bemerken werden.
„Sag mal, läuft da was zwischen Euch?” ist dann meist die Frage, die ihr gestellt bekommt. Und eigentlich ist genau diese Frage einfach überflüssig, denn selbst ein Maulwurf würde erkennen, daß da etwas ist. Was genau, das wißt Ihr wahrscheinlich selber nicht. Vielleicht die Art, wie diese andere Person Euch ansieht, mit soviel Zuneigung und Wärme in ihren Augen, daß man vor lauter Freude, daß ein Mensch zu so etwas fähig ist, am liebsten laut jubeln und jauchzen wollen würde.
Vielleicht ist es aber auch die Art und Weise, wie Ihr reagiert, wenn ihr Euch zufällig berührt, ein flüchtiger Moment, eine Hand auf der anderen, unbeabsichtigt - oder doch nicht? Ein kurzer Moment nur, ein Wimpernschlag, und doch fühlt es sich an wie elektrischer Strom, das Herz beginnt zu rasen und Euer Inneres zuckt zusammen. Und dann seht Ihr Euch an, die Augen aufgerissen vor Schreck, und unausgesprochen steht die Frage zwischen Euch im Raum, ob das jetzt zu weit gegangen ist. Und Eure Freunde würden Euch sagen, daß das noch längst nicht weit genug ist. Manchmal, wenn ihr zu zweit seid, in einer Umgebung, die ihr beide mögt, und die Stimmung richtig ist, dann spielt Ihr mit dem Feuer, dann knistert es zwischen Euch, daß man damit eine Glühbirne zum Erstrahlen bringen könnte. Aber es sind nur kurze Momente, die Ihr Euch gönnt, und ihr seid zugleich dankbar und wehmütig, wenn der Kellner die Rechnung bringt, ein Handy klingelt oder irgendein anderes Geräusch den Zauber schließlich unterbricht.
Und wenn Eure Freunde Euch dann nach so einem Abend fragen, ob da etwas ist, oder ob da etwas war, dann könnt Ihr guten Gewissens - und doch auch voller Wehmut - sagen, daß da nichts gewesen ist, daß da nichts ist und daß da bestimmt auch nie etwas sein wird. Nur, daß Ihr so glücklich seid, daß ihr fast zerpringen könntet, wenn Ihr einander nahe seid - aber das ist nichts, was Ihr je erzählen würdet. Und irgendwann, wenn Eure Freunde - denn dafür sind sie da - nicht lockerlassen, wenn sie Euch löchern, in Euch dringen, dann sprudelt es aus Euch heraus: „Ich wünschte, ich wüßte ob er/sie das auch so empfindet - das ist alles, mehr will ich nicht!” Wenn sie nachhaken, wenn sie es nicht begreifen können, wenn sie Euch mit der Frage „Und wieso, was bringt Dir das denn?” konfrontieren, dann wißt ihr keine Antwort.
Und viel, viel später, wenn Ihr diese Person vielleicht schon lange nicht mehr gesehen habt, wenn Ihr sie gerade erst gesehen habt oder auch wenn ihr neben Eurer glücklichen Beziehung aufwacht, dann fällt Euch plötzlich die Antwort ein - es war so einfach: Weil Ihr dann nämlich sicher sein könntet, daß Ihr ein kleines Stück Eures Herzens nicht verloren habt - denn wenn es so ist, wenn diese Gefühle erwidert werden, dann wißt Ihr, daß diese eine, ganz besondere Person darauf aufpasst.
Ein Lächeln kommt über Eure Lippen, und Ihr erkennt die Schönheit in diesem Gedanken - wenn ein anderes Herz ein kleines bißchen, heimlich, fast schüchtern für Euch schägt, dann fällt es Euch leichter, einem Stück Eures eigenen Herzens Lebewohl zu sagen - ihr wißt es ja in guten Händen.
Wann habt Ihr das letzt mal ein kleines Stückchen Herz bekommen, um darauf aufzupassen?