Was haben die Sendergruppe „ProSiebenSat.1” und der Modekonzern „Hugo Boss” gemeinsam? Genau, beide kennen mittlerweile bestimmt eine ganze Menge Mitarbeiter des Private Equity-Unternehmens
Permira. Damit will ich nun nicht andeuten, die Liebhaber gepflegter Business-Anzüge sollten sich Sorgen machen, denn wie wir bei
Y! Finanzen nachlesen könne, haben Aufsichtsrat und Management den Anteilseignern davon abgeraten, das Angebot der Permira-Tochter „Red & Black” anzunehmen.
Moment Mal. Ein Unternehmen wie Permira ist an dem schwäbischen Modehersteller „Hugo Boss” interessiert? Ein Unternehmen, welches von ProSiebenSat.1 eine Renditeerhöhung von 22% auf 30% gefordert hat, will sich ernsthaft einen Modekonzern unter den Nagel reissen? Man stelle sich vor: Auf der einen Seite die Forderung nach Renditeerhöhungen und mehr verschuldung, auf der anderen Seite der Glamour der Textilbranche, die Parties, die Werbekosten, die Modenshows und im Falle von Boss natürlich noch die eigenen Ladenketten, über die die edlen Stoffe vertrieben werden - pro Jahr werden laut dem Vorstandsvorsitzenden der Hugo Boss AG, Herrn Dr. Bruno Sälzer, runde 35 Millionen Mark in diese investiert. Dazu meinte der Boss-Chef im SPIEGEL-Interview zuversichtlich:
Natürlich haben wir über diese großen Linien vorab schon gesprochen. Da geht es dann auch um die Größe von Investments. Dass wir etwa jedes Jahr rund 35 Millionen Euro in den Ausbau stecken [...], ist Permira durchaus bekannt.
Auch sonst wirkt der Vorstandsvorsitzende gelassen - und das vielleicht mit Recht. So hatte Permira in dem Übernahmeangebot
angekündigt, sowohl an der Fortführung der Geschäftstätigkeit (im gegensatz zu verkauf/zerschlagung) interessiert zu sein als auch keinerlei Umgestaltungen bei Manegement, Personalbestand oder Standortwahl anzustreben. Zum Umfeld seines Konzerns meinte Dr. Sälzer:
Klar, Inspiration, Aufregung, Glamour, das gehört eindeutig zu den Erfolgsgrundlagen im Modegeschäft. Seien sie sicher, dass ich diesen Punkt sehr ausführlich erklärt habe.
- und meint damit natürlich die Damen und Herren von Permira. Der Übernahmeversuch von Boss, mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro im Jahre 2006 noch vor Prada, ist der letzte in einer längeren Serie von Übernahmen von Unternehmen der Modebranche durch Gesellschaften des Private Equity-Bereiches:
- im Juni 2003 etwa investierte das US-amierkanische Private Equity-Unternehmen „HMD Partners” 45 Millionen in den Modekonzern Escada
- im Dezember 2005 wechselte der Modehersteller Tommy Hilfiger für 1,6 Milliarden US-Dollar in den Besitz der Priavte Equity-Gruppe Apax Partners
- bereits 2004 hatte ein Konsortium aus Apax und Cinven die „CBR Holding” gekauft, zu der unter anderem die Marken Street One und Cecil gehören
- im Februar 2006 wurde die Jil Sander AG, erst kurz zuvor, nämlich 1999, vom italienischen Konzern Prada gekauft, an die englische Private Equity-Firma Change Capital Partners veräußert
Die Zeit muß erst noch zeigen, wie erfolgreich die Synthese aus den knallhart kalkulierenden, finanzstarken Priavte Equity-Unternehmen und den Modegiganten funktioniert. Unklar bleibt zunächst auch, ob die von zahlreichen Modefirmen bereits begonnene Diversifikation der Produktpalette, weg von reiner Mode hin zu Accessoires, Schmuck etc. von den Investoren geduldet werden wird - hier wird wohl einzig und allein die Rendite dem Lifestyle einen Riegel vorschieben.
Übrigens feiert die Marke
Dior dieses Jahr ihren 60. Geburtstag - da dürfen sich die weiblichen Leser dieser Seite wohl auf einige ganz besonders schöne Handtaschen freuen