„Bildung ist ein Menschenrecht”, sagte unser Bundespräsident Horst Köhler auf dem
Weltlehrerkongress, der von 22. Juli bis zum 26. Juli in Berlin stattfand. Und spricht damit natürlich auf die Verhältnisse an, die in vielen Ländern der Dritten Welt herrschen. Zum Beispiel, daß dort ein Drittel der Kinder stirbt, bis sie das Schulalter erreichen. Daß von denen, die es schaffen, nochmal 15% sterben, bis sie die Schule abgeschlossen haben. Daß die Kinder, die die Schule beenden, in ein Land geworfen werden, in dem das Trinkwasser eine reine Glückssache ist und in dem man alle anderen Menschenrechte gerne mal mit den Füßen tritt. Manchmal habe ich schon das Gefühl, daß derartige Konferenzen ein Zielgruppenproblem haben - aber da ich für Bildung natürlich kein Experte bin, mag ich mich da irren.
Jetzt leben wir alle ja Gottseidank in der Bundesrepublik. Deutschland, nicht Österreich. Bzw. halt - das war doch eine Alpenrepublik. Egal. Auf jeden Fall ist unser Schulsystem ganz „knorke”, denn bei uns wird ab der Grundschule schon dafür gesorgt, daß die Kleinen alles Lernen, was sie später im Leben mal brauchen könnten. Der Umgang mit Computer? Klar,
machen wir, sogar politisch korrekt und
AGG-konform. Vor allem wir hier in Bayern, wir sind da an vorderster Front, is ja klar. Und damit aus den Kleinen später mal keine Menschen werden, die im Fernsehen so ein mieses Bild abgeben wie unser „Ähdmund” wird
Medienkompetenz auch gleich abgehandelt. Irgendwer muß den Kindern ja zeigen, wie sie möglichst schnell an die guten Pornos oder an frei verfügbare
Ballerspiele nach Machart des größten NATO-Mitglieds kommen. Da passt dann der
Englischunterricht natürlich um so besser. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer, so munkelt man, reichern den dann auch gleich um die modernen Feindbilder an - Taliban in der dritten Klasse, Prost Mahlzeit. Und wir wären nicht Europas Klima-Gewissen, wenn das ganze nicht
umweltfreundlich ablaufen würde.
Angesichts dieser paradiesischen Zustände kann ich die Reaktionen nicht verstehen, die mir oftmals entgegenschwappen, wenn ich im Netz unser Schulsystem mit Leuten aus Skandinavien oder Dänemark erörtere. Die Palette der Reaktionen reicht dann von gelinder Verwunderung bis zu unverholener Abneigung, viele freuen sich, daß ihnen unser Schulsystem erspart geblieben ist. Sie bringen kein Verständnis dafür auf, daß es nunmal wichtig ist, eine Bildungselite auf Gymnasien zu züchten oder Schüler auf Gesamtschulen bereits möglichst früh in weniger anspruchsvolle Kurse auszusortieren. Auch Konzepte wie ein völlig entwerteter Hauptschulabschluß scheint man dort nicht zu kennen. Und der ausgewogene und umfassende Grundschullehrplan führt ziemlich häufig zu Gelächter. Ich verstehe das gar nicht: Mit unserem Schulsystem stimmt doch alles! Die Kinder lernen halt nicht nur grundlegende Kulturtechniken, sondern auch das, was sie im Leben wirklich brauchen.
Kulturtechniken? Ach so, ja, Lesen, Schreiben, Rechnen. Erst neulich habe ich - nachdem ich eine Runde im Netz gezockt hatte - eine nette und hervorragend geschriebene
Mail erhalten, in der mir der mir unterlegene Spieler zum Sieg gratuliert hat. Und wer sich auf Seiten wie mySpace & Co. umsieht, der wird ebenfalls keinerlei Grund haben, an der Beherrschung grundlegender Kulturtechniken durch unsere Jugend zu zweifeln. Wenn ihr mich fragt - das ist alles sinnlose Panikmache.
Nur das mit den
SMS, das gibt mir auch öfter mal zu denken.
(Wer in diesem Eintrag Ironie findet, darf sie behalten!)