Der Freitag ist ein wunderbarer Tag, um alte Kontakte zu pflegen und dabei bei Bedarf unauffällig neue zu knüpfen. Umso mehr gilt das natürlich, wenn das Wetter so fantastisch ist wie zur Zeit. Heute habe ich mich also mit einem ehemaligen Kollegen (mitlesende Frauen, der ist eine gute Partie - er arbeitet bei
Estée Lauder, kann Euch also massig „Pröbchen” mitbringen!) zum Mittagessen verabredet, den ich seit Jahresanfang nicht mehr gesehen hatte. Entschieden hatten wir uns für einen dem Vernehmen nach sehr guten Italiener etwas außerhalb von München. Als wir dort angekommen sind, haben wir uns sehr gefreut, daß wir vorher doch einen Tisch reserviert hatten - ein „Geheimtipp” war des Restaurant nämlich wirklich nicht: Wo das Auge hinsah, nur Konzernklone und Büromiezen. Auf jedem Tisch mindestens zwei Handies oder Blackberries, keine einzige Nicht-Markensonnenbrille und selbst die Anzüge von der Stange sahen bei den meisten wie maßgefertigt aus. Kurz und gut: Die ideale Athmosphäre, um vollkommen anonym und unauffällig mit einem alten Bekannten zu plaudern. Das Essen war übrigens großartig: Nach einem Vorspeisenteller und Nudeln mit Salbseisauce habe ich mir hauchdünn geschnittene Kalbsschnitzel in Zitronensauce bestellt, daraufhin dann Käse mit Weintrauben und als Abschluß einen Teller hausgemachter Süßigkeiten. Dazu einen fruchtigen Rotwein - ich war hellauf begeistert.
In den Momenten des „gefräßigen Schweigens” kam ich natürlich nicht umhin, auch immer mal wieder ein paar Gesprächsfetzen von den Nachbartischen zu erhaschen. Und da hat mich dann ein Wort überrollt, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Die „Nachhaltigkeit”, oder, wie ich es auch oft auf Neudeutsch gehört habe, „sustainability”. Da redeten BWM-Mitarbeiter über „sustainability in production planning”, da hörte ich Schlagworte wie „Nachhaltigkeit schon im Entwicklungsprozess berücksichtigen”, „nachhaltige Strategien”, „mehr Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus”, „ökologische Nachhaltigkeit für innovative Produkte” und so weiter. Ehrlich gesagt - das war schon eine ziemlich erschreckende Erfahrung. Die anwesenden BMW'ler und Siemensianer sollen bitte Autos und Kraftwerke bauen - die Anteilseigner lassen denen doch so eine Fixation auf Umwelt- und Klimaschutz bestimmt nicht durchgehen. Oder?
Nach dem Mittagessen habe ich mir kurz die Zeit genommen und eine
sehr flüchtige Suche im Netz durchgeführt - und siehe da, man findet klare Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit u.a. bei
BASF,
Deutsche Post World Net,
Bayer und auch
BMW. Nun gut, nach dem G8-Gipfel in Heiligendamm war ein gewisses Eingehen auf die Belange des Klimawandels wohl zu erwarten gewesen - aber derart massive Publicity, die noch dazu bis zur Basis kommuniziert wurde? Irritiert habe ich weitergesucht und bin dabei zunächst auf die „Initiative 2 Grad” aufmerksam geworden, deren
Mitgliederliste eigentlich nur den Schluß zulässt, daß sie es ernst meinen mit dem, was sie sagen. Aber woher kommt dieser Gesinnungswandel? Was sagen Experten wie die Boston Consulting Group oder McKinsey dazu, wenn deutsche Unternehmer nicht mehr nur der Rendite, sondern plötzlich auch dem Klimawandel hinterherlaufen (OK, ertappt, das war eine rhethorische Frage - die verdienen natürlich auch mit Beratung an sowas Geld)? Werden wir derzeit etwa Zeugen eines Paradigmenwechsels in der deutschen Industrie? Abschließend beantworten kann ich das sicher nicht. Aber offensichtlich scheint Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor für die Bewertung von modernen Unternehmen geworden zu sein - und dafür kann wohl nicht nur der CO2-Emissionshandel veranwtortlich sein. Dienste wie das
Carbon Disclosure Project oder das
Sustainable Asset Management sprechen hier eine neue Sprache von ökologischem Bewusstsein und Transparenz. Umweltschutz als Mittel zur Renditesteigerung?
Man mag davon halten, was man will, solange der Trend anhält, kann das für diesen Planeten nur gut sein. Hoffen wir, daß der Entwicklung selbst eine ähnliche Nachhaltigkeit anheftet, wie sie sie derzeit von den Unternehmen fordert. Ich für meinen Teil werde die Sache im Auge behalten - nachhaltig