Die Evaluation neuer Software kann, wie ich heute festgestellt habe, ein durchaus vergnügliches Unterfangen sein. Das fragliche Produkt (ich werde den Namen hier meiden wie der Teufel das Weihwasser) zeichnet sich durch die Integration einiger Funktionen in eine bekannte CAD-Software aus, die den Aufwand für die Nachbearbeitung der erzeugten Konstruktionen deutlich reduzieren, wenn man selbige z.B. für Crash-Simulationen benutzen will - in der Fachsprache der Automobilindustrie spricht man von der Integration von FEM-Preprocessing-Funktionen in das Programm zur Geometriedatenbearbeitung. Der Funktionsumfang liest sich wirklich beeindruckend und die Firma macht besondere Werbung damit, daß der komplette Produktentstehungsprozess, von der Planung über die Implementierung, Pflege, Dokumentation etc. in Deutschland stattfindet. Um kurz zu zeigen, daß hier nicht von einem absoluten Billigprodukt die Rede ist: Eine Einzelplatzlizenz kostet rund 2800 Euro pro Jahr, ein Basis-Supportvertrag (96h Reaktionszeit per Mail, Anspruch auf Updates, die Fehler korrigieren) kostet knapp 26000 Euro und die gedruckte Dokumentation in deutscher Sprache schlägt mit 899 Euro zu Buche.
Ich kann nur sagen, die Dokumentation ist jeden einzelnen Euro mehr als wert, nachfolgend die Highlights:
"Zum Ausbremsen wegen PRODUKT wird nicht empfohlen, auszuschiffen mit dem Kommando..."
"...wird eine Erhitzung des Buchmarkts stattfinden, da PRODUKT in Teile zerfallen ist."
"...für geraden Lauf durch Hindernisse gerader Weg für empfohlen ist."
"Durch herausragendes Umherrufen ist die Bindung an Namensrechte nicht nötig."
"Bei Umfall von gegenwärtigem Diener werden, aktuelle Nachrichten durch Filter, nicht in der Berechnung."
"[...] wie aus Entlaufen des Gedächtnisses durch Insekt in Buchaufbewahrung."
Das Programm selbst hat mich am Anfang nur mit englischen Menüpunkten begrüßt und es dauerte ein paar Minuten, bis ich herausgefunden hatte, daß es sämtliche Spracheinstellungen in den Konfigurationsdateien ignoriert und sich ganz auf die Variable "$LANG" verläßt. Als die dann auf "de_DE" gesetzt war, folgte der nächste Lachanfall. Zur Erklärung: Das Programm verfügt über besonders leistungsfähige Routinen, um mit Hohlräumen (sog. "cavities") umzugehen. Und was war dann der erste Eintrag im Menü "Spezialbefehle"? Richtig, "Körperöffnungen umschließen".
Ich hoffe stark, daß sich die Verantwortlichen für die englische Version des Programms entscheiden. Die Entwickler und Übersetzer würde ich dagegen gerne nochmal in die
Grundschule schicken.
Nachdem mir der Hersteller eines Plugins für ein bekanntes CAD-Programm vorgestern zu mehr als nur einem Lachanfall verholfen hat, kam dann heute via Mail die Fortsetzung: Auf die schweren Mängel der Dokumentation hingewiesen, äußert sich ein Mitarbeiter
Aufgenommen: Jun 21, 20:56