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Freitag, 8. Juni 2007
Da ich heute etwas längere Wege als sonst haben werde, entscheide ich mich dafür, mit dem MVV zu fahren. Mir fällt ein, daß ich keine Monatskarte für Juni habe, also beschliesse ich, zuerst mit dem Bus zur Münchner Freiheit zu fahren und dort den Automaten zu benutzen - da kann man nämlich bargeldlos zahlen. Als ich den Bus betrete und eine Einzelfahrkarte ziehen will (ja, ich bin ein ehrlicher Mensch), fällt mir auf, daß ich kein Kleingeld mehr besitze. Hilfesuchend wende ich mich an den Busfahrer. Den interessieren meine Probleme wenig. Der einzige andere Fahrgast ist eine junge Mutter mit einem kleinen Kind. Ich stemple sie sofort als "Typ Öko" ab, Kleidung und Frisur stimmen und die Tupperdose, aus der sie gerade eine Karotte entnimmt, ist nur das i-Tüpfelchen. Auch sie hat kein Kleingeld. Seufzend setze ich mich hin. Es wird schon keine Kontrolle kommen. Habe ich auf der Linie noch nie erlebt.
An der nächsten Haltestelle betreten zwei Männer den Bus. Nachdem sich dieser wieder in Bewegung gesetzt hat, zücken sie MVV-Ausweise. "Die Fahrkarten bitte!". Ich versuche zu erklären. Die beiden hören mir geduldig und nicht unfreundlich zu. Die Öko-Mutter sagt zu ihrem Sohn: "Schau, Valentin, der Mann ist ein Dieb und muß jetzt Strafe zahlen." Ich bemühe mich ruhig zu bleiben. Der Busfahrer sieht mich feixend an. Am Ende kann ich die Kontrolleure überzeugen - die Marken der letzten sieben Monate, die ich noch im Geldbeutel hatte, scheinen sie zu überzeugen. Schweißgebadet setze ich mich wieder hin. Die Öko-Mutter sieht mich mit giftigen Blicken an. Der Busfahrer radebrecht leise in einer Sprache vor sich hin, die ich nicht verstehe.
Als ich die Kopfhörer meines iPods aufsetze, singt Sandra Nasić von den Guano Apes gerade davon, wie ein kleines grünes Männchen sie beim Snowboardfahren "abzieht". Mein lautes Lachen, in dem sich meine ganze Anspannung entlädt, als ich mir die Szene plötzlich bildlich vorstellen muß, bewegt die Öko-Mutter, an der nächsten Haltestelle fluchtartig den Bus zu verlassen. Auch der Busfahrer schweigt für den Rest der Fahrt. Ich genieße es, mit der Ruhe und meiner Musik allein zu sein. Und hoffe, daß der Tag besser wird.