Leitzins tatsächlich gesenkt
Geschrieben in
Politik & Nachrichten
Mittwoch, 23. Januar 2008
Warum mich das nicht glücklich macht, obwohl es doch anscheinend funktioniert hat? Tja, das hat mit Präsident Nixon zu tun - der hat nämlich am 15. August 1971 die Garantie aufgehoben, daß man jederzeit 35 Dollar gegen eine Unze Feingold eintauschen könne (diese Garantie wurde zuletzt 1944 durch das Abkommen von Bretton-Woods nach dem zweiten Weltkrieg erneuert). Somit steht dem Papierwert des Dollars heutzutage definitiv kein Edelmetall mehr gegenüber, sprich, es sind deutlich mehr Dollar in Umlauf als die USA an Goldreserven besitzen. Nehmen wir nun diese Tatsache und vergegenwärtigen wir uns gleichzeitig, das der US-Dollar nach dem zweiten Weltkrieg ganz klar die neue Leitwährung auf den internationalen Märkten wurde. Wenn man jetzt die USA regiert, ist diese Konstellation unheimlich praktisch: Wenn ich meine Wirtschaft ankurbeln will, dann sorge ich nämlich einfach dafür, daß es mehr Dollar gibt. Daß diese auf lange Sicht durch Kredit entstehen, kann mir dabei mittelfristig egal sein, denn der Rest der Welt ist natürlich heiß darauf, sich für den internationalen Zahlungsverkehr ein Devisenpolster in Form meiner Schulden-Dollar zuzulegen, und so habe ich kein Problem damit, meine erhöhte Geldmenge an den Mann zu bringen. Ich kann also z.B. mein Erdöl mit Dollarkrediten bezahlen, die bestimmt nie befriedigt werden, die aber in den Büchern der Verkäufer als solide Devisenreserven auftauchen. Das ganze funktioniert, solange diese Drittländer noch vertrauen in meine Währung haben.
Und genau hier liegt das Problem - viele Länder sind eben mittlerweile nicht mehr bereit, diesen Pump-Kapitalismus zu finanzieren, denn sie sehen, daß ihre riesigen Dollar-Reserven, egal ob realisiert oder nur als Verpflichtung vorhanden, immer weniger wert werden. Und dann versuchen sie logischerweise, andere Währungen zu kaufen. Diese Bewegung weg vom Dollar beschleunigt natürlich dessen Entwertung, was wir alle bemerken, wenn wir uns den derzeitigen Wechselkurs z.B. zwischen Dollar und Euro ansehen. Kurzfristig, ja vielleicht sogar mittelfristig, ist das für Exportwirtschaften wie die Bundesrepublik Deutschland erstmal nicht so schlimm, denn nur ganz schlimme Narren machen Geschäfte mit dem Ausland, ohne sich bei diversen (Rück-)Versicherern gegen Währungsschwankungen abzusichern. Aber natürlich wird die dafür fällige Versicherungsgebühr höher, je schneller der Dollar eben abstürzt. Um nun eine Währung zu stablisieren, erhöht eine Zentralbank normalerweise die Leitzinsen - denn wie wir bereits wissen, wird damit die Entstehung neuen Geldes gebremst.
Tja, und genau das hat die US-Notenbank nicht getan. Mit der Leitzinssenkung hat man vielleicht kurzfristig das Schlimmste abgewendet, aber die Spirale, mit der der Dollar immer weniger wert wird, dreht sich jetzt wieder ein bißchen schneller. Und wer mag, der kann jetzt Google bemühen und einmal nachforschen, wieviele Länder gerne aus ihren Dollar-Geschäften aussteigen würde.
Und dann versteht ihr vielleicht, warum ich mir große Sorgen mache.
SuperSizeMe - #1 - 23.01.2008 14:47 - (Antwort)
Ich muß mir das zu Hause nochmal durchlesen... woher weißt du eigentlich immer solchen Kram, Föser? Wachst du morgens auf und denkst dir "heute will ich was über Volkswirtschaft lernen" oder wie?!?
Stefan - #1.1 - 23.01.2008 15:45 - (Antwort)
Hm, kein Plan, sowas kriegt man halt nebenbei mit. Ich find das auch net so besonders tiefschürfend oder kompliziert...
jmeyer - #2 - 13.02.2008 21:52 - (Antwort)
manueller Trackback - automatisch scheints nicht funktioniert zu haben.
viele Grüße!





