Filmkritik
Geschrieben in
Freizeit
Sonntag, 7. Februar 2010
Gestern war ein recht entspannter, gemütlicher Abend: Ich hab Popcorn gemacht (die gute Sorte, mit echter Butter!) und wir haben uns zwei Filme auf DVD angesehen. Und wenn ich so zurück denke, dann hatten wir da mit der Auswahl ein ganz glückliches Händchen (ich erinnere mich immer noch mit Schaudern an die „Königin der Verdammten”-Pleite!).
Film Nummer eins war State of Play. Russel Crowe und Ben Affleck spielen zwei alte Freunde, die sich auseinandergelebt haben: Der erstere ist bei der Wahsington Globe ein investigativer Reporter, der andere ein Mitglied des Repräsentantenhauses. In den ersten 30 Minuten des Films erfahren wir, daß Mr Affleck, aka Stephen Collins, derzeit eine Untersuchung leitet, die sich mit den Praktiken der fikitven privaten Rüstungsfirma „Pointcorp” beschäftigt (wer hier unwillkürlich an „Blackwater” denken musste, dem sei verziehen, mir ging es genau so) sowie ein außereheliches Verhältnis mit seiner Chef-Ermittlerin Sonia Baker (kurzer Gastauftritt von Maria Thayer) hatte. Als selbige anscheinend vor die U-Bahn springt, beginnt etwas, was sich nur als Hommage an das Genre der Reporter-Filme von vor 20 Jahren verstehen lässt.
Auf der Leinwand entwickelt sich ein packendes Drama, in dem Russel Crowe, aka Cal McAffrey, unterstützt von einer jungen Kollegin (süß: Rachel McAdams, spätestens seit „Mean Girls” bekannt), Schritt für Schritt etwas enthüllt, was eine Verschwörung riesigen Ausmaßes zu sein scheint. Nach spätestens einer Dreiviertelstunde beobachtet man gebannt, wie sich die Geschichte immer weiter enthüllt, fiebert mit den Reportern mit (brilliant hier übrigens Hellen Mirren in ihrer Rolle als Chefredakteurin Cameron Lynne), denen ein Hindernis nach dem anderen in den Weg gelegt wird und hofft wirklich, daß die beiden Protagonisten nicht nur in der Lage sein werden, das angeschlagene Image von Rep. Collins wiederherzustellen, sondern daß sie, allein gegen den Rest der Welt, gegen das Netz aus Korruption, Macht und Gier bestehen werden. Das furiose Ende hält eine Wendung bereit, die man so nicht kommen sieht. Der Film fesselt von den ersten Minuten an, er ist temporeich, glänzt mit überzeugenden Darstellern und intelligenten Dialogen - und muß den Vergleich mit z.B. „All The Presidents Men” auf keinen Fall scheuen.
Mein Fazit: Hat sich wirklich gelohnt.
Bei Film Nummer zwei war ich deutlich skeptischer - alleine schon, weil die beiden Protagonistinnen im Film noch Teenager sind, aber auch, weil ich eigentlich kein so großer Fan von Horrorfilmen bin. Die Rede ist von The Uninvited. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Nach dem Unfalltod ihrer Mutter hat Anna (Emily Browning) versucht, sich umzubringen und deswegen knapp ein Jahr in einer geschlossenen Anstalt verbracht. Der Film beginnt mit ihrer Entlassung und ihrer Rückkehr nach Hause zu ihrem Vater (David Strathairn, kennen wir aus „Bourne Identity”) und ihrer Schwester Alex (Arielle Kebbel). Die Idylle währt jedoch nicht lange, denn es stellt sich heraus, daß die Krankenschwester Rachel (Elizabeth Banks, die ich bisher eigentlich nur aus „Scrubs” kannte), die die Mutter in den letzten Monaten ihres Lebens gepflegt hatte, nicht nur eine Affäre mit dem Familienvater begonnen, sondern daß dieser auch vor hat, sie zu heiraten. Vor dem klassischen Setup einer bösen Stiefmutter werden die beiden Töchter nun mit einer Reihe von unerklärlichen Vorkommnissen konfrontiert, ein guter Freund der beiden stirbt und die böse Schwiegermutter zeigt, wie weit sie zu gehen bereit ist. Die beiden Guard-Brüder, die bei diesem Film Regie geführt haben, haben vieles richtig gemacht: Das beginnt damit, daß mir in dem ganzen Film nicht einmal eine Hand voll Spzeialeffekte aufgefallen sind - und gerade bei einem Horror-Film ist das sehr angenehm. Und dann die Bilder: Das Haus der Familie Rydell liegt an einem See - und die Bilder, die gerade in der ersten Hälfte des Films gezeigt werden, sind mindestens ebenso schön, romantisch und idyllisch wie in „Gilmore Girls” (mal ganz ehrlich, wir sind doch alle ein wenig in „Stars Hollow” verliebt, oder?). Doch das Setting ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch glaubwürdig: Selbst Stephen King hätte die Kleinstadt, die dem Film streckenweise als Kulisse dient, nicht realistischer zum Leben erwecken können - und das, obwohl dort nicht mehr als vielleicht 10 Minuten des ganzen Films spielen.
Ebenfalls toll dargestellt ist die Beziehung der beiden Schwestern, die sich in dieser schwierigen Situation stellenweise buchstäblich aneinander klammern und Halt suchen: Man merkt, daß sich die beiden Mädchen unheimlich nahe stehen, da stimmt einfach alles, von der Körpersprache bis zu den Dialogen. Und in ihrer Rolle als Anna übertrifft sich Emily Browning hier wahrlich selbst: Mit einem Engelsgesicht und großen Augen spielt sie - mit immerhin 21 Jahren - den Part des 15jährigen Teenagers absolut überzeugend. Wenn Anna in Tränen ausbricht, als sie alte Fotos ihrer Mutter sieht, wenn sie verängstigt bei ihrer Schwester Rat sucht, weil sie von schrecklichen Halluzinationen und Albträumen geplagt wird, dann weckt sie das ganze Spektrum an Beschützerinstinkten im Zuschauer, der sie am liebsten in den Arm nehmen und trösten würde.
Dank der Darsteller und der guten Geschichte, die mit einem zwar nicht gänzlich neuen, dafür aber umso unerwarteteren Ende aufwarten kann, sieht man dem Film auch ein oder zwei Schwachstellen, vor allem was die Teils mangelhafte Darstellung der Hintergründe seiner Hauptpersonen angeht, gerne nach. Trotzdem ist „The Uninvited” kein echter Horror-Film, sondern eher eine Mischung aus Psycho- und Mystery-Thriller - aber ein von Anfang bis Ende beklemmender, der die Verzweiflung der Protagonisten mit Händen greifbar erscheinen lässt. Und obwohl der Film nicht temporeich ist, ist er doch von Anfang bis Ende spannend und zehrt an den Nerven.
Mein Fazit: Ein Film, der deutlich besser ist, als die Kritik und das Publikum ihn aufgenommen haben.
Schönen Sonntag noch - ich werde jetzt das Boeuf Stroganoff fertig machen und mir dabei von den White Stripes „Seven Nation Army” anhören. Hoffentlich fange ich nicht an, mit der Pfanne in der Hand dabei auf und ab zu hüpfen
Film Nummer eins war State of Play. Russel Crowe und Ben Affleck spielen zwei alte Freunde, die sich auseinandergelebt haben: Der erstere ist bei der Wahsington Globe ein investigativer Reporter, der andere ein Mitglied des Repräsentantenhauses. In den ersten 30 Minuten des Films erfahren wir, daß Mr Affleck, aka Stephen Collins, derzeit eine Untersuchung leitet, die sich mit den Praktiken der fikitven privaten Rüstungsfirma „Pointcorp” beschäftigt (wer hier unwillkürlich an „Blackwater” denken musste, dem sei verziehen, mir ging es genau so) sowie ein außereheliches Verhältnis mit seiner Chef-Ermittlerin Sonia Baker (kurzer Gastauftritt von Maria Thayer) hatte. Als selbige anscheinend vor die U-Bahn springt, beginnt etwas, was sich nur als Hommage an das Genre der Reporter-Filme von vor 20 Jahren verstehen lässt.
Auf der Leinwand entwickelt sich ein packendes Drama, in dem Russel Crowe, aka Cal McAffrey, unterstützt von einer jungen Kollegin (süß: Rachel McAdams, spätestens seit „Mean Girls” bekannt), Schritt für Schritt etwas enthüllt, was eine Verschwörung riesigen Ausmaßes zu sein scheint. Nach spätestens einer Dreiviertelstunde beobachtet man gebannt, wie sich die Geschichte immer weiter enthüllt, fiebert mit den Reportern mit (brilliant hier übrigens Hellen Mirren in ihrer Rolle als Chefredakteurin Cameron Lynne), denen ein Hindernis nach dem anderen in den Weg gelegt wird und hofft wirklich, daß die beiden Protagonisten nicht nur in der Lage sein werden, das angeschlagene Image von Rep. Collins wiederherzustellen, sondern daß sie, allein gegen den Rest der Welt, gegen das Netz aus Korruption, Macht und Gier bestehen werden. Das furiose Ende hält eine Wendung bereit, die man so nicht kommen sieht. Der Film fesselt von den ersten Minuten an, er ist temporeich, glänzt mit überzeugenden Darstellern und intelligenten Dialogen - und muß den Vergleich mit z.B. „All The Presidents Men” auf keinen Fall scheuen.
Mein Fazit: Hat sich wirklich gelohnt.
Bei Film Nummer zwei war ich deutlich skeptischer - alleine schon, weil die beiden Protagonistinnen im Film noch Teenager sind, aber auch, weil ich eigentlich kein so großer Fan von Horrorfilmen bin. Die Rede ist von The Uninvited. Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Nach dem Unfalltod ihrer Mutter hat Anna (Emily Browning) versucht, sich umzubringen und deswegen knapp ein Jahr in einer geschlossenen Anstalt verbracht. Der Film beginnt mit ihrer Entlassung und ihrer Rückkehr nach Hause zu ihrem Vater (David Strathairn, kennen wir aus „Bourne Identity”) und ihrer Schwester Alex (Arielle Kebbel). Die Idylle währt jedoch nicht lange, denn es stellt sich heraus, daß die Krankenschwester Rachel (Elizabeth Banks, die ich bisher eigentlich nur aus „Scrubs” kannte), die die Mutter in den letzten Monaten ihres Lebens gepflegt hatte, nicht nur eine Affäre mit dem Familienvater begonnen, sondern daß dieser auch vor hat, sie zu heiraten. Vor dem klassischen Setup einer bösen Stiefmutter werden die beiden Töchter nun mit einer Reihe von unerklärlichen Vorkommnissen konfrontiert, ein guter Freund der beiden stirbt und die böse Schwiegermutter zeigt, wie weit sie zu gehen bereit ist. Die beiden Guard-Brüder, die bei diesem Film Regie geführt haben, haben vieles richtig gemacht: Das beginnt damit, daß mir in dem ganzen Film nicht einmal eine Hand voll Spzeialeffekte aufgefallen sind - und gerade bei einem Horror-Film ist das sehr angenehm. Und dann die Bilder: Das Haus der Familie Rydell liegt an einem See - und die Bilder, die gerade in der ersten Hälfte des Films gezeigt werden, sind mindestens ebenso schön, romantisch und idyllisch wie in „Gilmore Girls” (mal ganz ehrlich, wir sind doch alle ein wenig in „Stars Hollow” verliebt, oder?). Doch das Setting ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch glaubwürdig: Selbst Stephen King hätte die Kleinstadt, die dem Film streckenweise als Kulisse dient, nicht realistischer zum Leben erwecken können - und das, obwohl dort nicht mehr als vielleicht 10 Minuten des ganzen Films spielen.
Ebenfalls toll dargestellt ist die Beziehung der beiden Schwestern, die sich in dieser schwierigen Situation stellenweise buchstäblich aneinander klammern und Halt suchen: Man merkt, daß sich die beiden Mädchen unheimlich nahe stehen, da stimmt einfach alles, von der Körpersprache bis zu den Dialogen. Und in ihrer Rolle als Anna übertrifft sich Emily Browning hier wahrlich selbst: Mit einem Engelsgesicht und großen Augen spielt sie - mit immerhin 21 Jahren - den Part des 15jährigen Teenagers absolut überzeugend. Wenn Anna in Tränen ausbricht, als sie alte Fotos ihrer Mutter sieht, wenn sie verängstigt bei ihrer Schwester Rat sucht, weil sie von schrecklichen Halluzinationen und Albträumen geplagt wird, dann weckt sie das ganze Spektrum an Beschützerinstinkten im Zuschauer, der sie am liebsten in den Arm nehmen und trösten würde.
Dank der Darsteller und der guten Geschichte, die mit einem zwar nicht gänzlich neuen, dafür aber umso unerwarteteren Ende aufwarten kann, sieht man dem Film auch ein oder zwei Schwachstellen, vor allem was die Teils mangelhafte Darstellung der Hintergründe seiner Hauptpersonen angeht, gerne nach. Trotzdem ist „The Uninvited” kein echter Horror-Film, sondern eher eine Mischung aus Psycho- und Mystery-Thriller - aber ein von Anfang bis Ende beklemmender, der die Verzweiflung der Protagonisten mit Händen greifbar erscheinen lässt. Und obwohl der Film nicht temporeich ist, ist er doch von Anfang bis Ende spannend und zehrt an den Nerven.
Mein Fazit: Ein Film, der deutlich besser ist, als die Kritik und das Publikum ihn aufgenommen haben.
Schönen Sonntag noch - ich werde jetzt das Boeuf Stroganoff fertig machen und mir dabei von den White Stripes „Seven Nation Army” anhören. Hoffentlich fange ich nicht an, mit der Pfanne in der Hand dabei auf und ab zu hüpfen
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