Gott erschuf die Welt in 6 Tagen - oder?
Geschrieben in
Politik & Nachrichten
Dienstag, 22. April 2008
Um es mal ganz klar zu sagen: Ich halte Kreationisten in ihrer Gesamtheit, also die Bewegung, nicht unbedingt die einzelnen Mitglieder, die sich ihr zuordnen würden, für nicht ernst zu nehmende, verbohrte und in manchen Gegenden der Welt viel zu einflußreiche Menschen. Falls hier jemand parallelen zu islamischen Fundamentalisten sieht - von mir aus könnt ihr diesen Vergleich gerne ziehen. Es ist ja nun nicht so, daß es nur diejenigen sind, die von der Kirche - irgendeiner Kirche - berufen wurden, die immer wieder durch ihr Beispiel zeigen, wozu Glaube, auch christlicher Glaube, führen kann.
Was mich an dieser Bewegung wütend macht, ist die ganze Energie, die so viele Anhänger dieser „Lehre” aufwenden, um viele Jahrhunderte der Wissenschaft, der Forschung und der Aufklärung - damit ist jetzt die philosophische Richtung gemeint
- in einer Art und Weise zu verbiegen, oder bei Bedarf zu diskreditieren, die sie passend werden läßt für ihre Art und Weise, die Welt zu erklären. Wenn ich dann höre, daß in westlichen Industrienationen die Schöpfungsgeschichte teilweise den gleichen Stellenwert im Unterricht an Schulen genießt wie die Evolutionstheorie, dann dreht sich mir der Magen um. Ja, natürlich, es sind - gerade auch bei Themen Evolution oder Kosmologie - noch längst nicht alle wissenschaftlichen Fragestellungen zufriedenstellend beantwortet. Aber sich der kreationistischen Sichtweise hinzugeben und zu argumentieren, daß die Wissenschaft keine schlüssige Antwort liefern kann und deswegen darauf hinzuweisen, daß die eigene Erklärung vollständiger und umfassender - was natürlich stimmt, denn sie ist ja trivial - und damit ganz klar „richtiger” ist, das ist einfach ein Schlag in's Gesicht all der Menschen, die sich seit Jahrhunderten darum bemüht haben und auch jetzt noch bemühen, die Welt zu erklären. Und darum, mit Kants Worten, die eindringliche Erinnerung:
Hört nicht auf, zu denken. Religion hat den Menschen immer nur Leid gebracht, und angesichts der ungelösten „großen” Fragen zu verzweifeln und sich auf das falsche Verständnis eines Buches, welches selbst der Kirche angehörige Historiker schon lange vom Mythos befreit haben, zurück zu ziehen, wird nur wieder Leid hervorbringen. Oder klarer formuliert: Gott ist weder die Antwort noch die Lösung.
Genug der ernsten Worte, ich habe auch noch was zum Lachen mitgebracht: Diese Kreationisten-Webseite (von Kreationisten für Kreationisten) erklärt (auf Englisch) in höchst amüsanter Weise - gut, das kommt mir jetzt vielleicht nur so vor
- welche Argumente ein echter „Apostel der neuen Rückständigkeit” besser nicht verwenden sollte, da man sich zu leicht damit tut, sie zu entkräften und die „Bewegung” dadurch Schaden nimmt.
Und während ich mich jetzt auf den Weg mache, werde ich mir den Kopf über die feine Ironie zwischen diesem Artikel und der Tatsache, daß mein iPod mich mit Haydns „Missa in tempore belli” beschallt, ganz bestimmt nicht allzu sehr zerbrechen. Euch einen angenehmen Tag.
Was mich an dieser Bewegung wütend macht, ist die ganze Energie, die so viele Anhänger dieser „Lehre” aufwenden, um viele Jahrhunderte der Wissenschaft, der Forschung und der Aufklärung - damit ist jetzt die philosophische Richtung gemeint
QUOTE:
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!” ist also der Wahlspruch der Aufklärung.
Hört nicht auf, zu denken. Religion hat den Menschen immer nur Leid gebracht, und angesichts der ungelösten „großen” Fragen zu verzweifeln und sich auf das falsche Verständnis eines Buches, welches selbst der Kirche angehörige Historiker schon lange vom Mythos befreit haben, zurück zu ziehen, wird nur wieder Leid hervorbringen. Oder klarer formuliert: Gott ist weder die Antwort noch die Lösung.
Genug der ernsten Worte, ich habe auch noch was zum Lachen mitgebracht: Diese Kreationisten-Webseite (von Kreationisten für Kreationisten) erklärt (auf Englisch) in höchst amüsanter Weise - gut, das kommt mir jetzt vielleicht nur so vor
Und während ich mich jetzt auf den Weg mache, werde ich mir den Kopf über die feine Ironie zwischen diesem Artikel und der Tatsache, daß mein iPod mich mit Haydns „Missa in tempore belli” beschallt, ganz bestimmt nicht allzu sehr zerbrechen. Euch einen angenehmen Tag.
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