Man kann es sagen, wie man will: Fest steht, daß Deutschland sich momentan fest im Griff des allseits geschätzten „Sommerlochs” befindet. Und das nicht erst seit gestern. Unsere Politiker sind in Urlaub (das ZDF-MoMa hatte da neulich sogar einen interessanten Bericht über den Kommunikationsstab des Kanzleramts, Kurzfassung: Sinkewitz wird der Kanzlerin nicht via Briefing mitgeteilt - das wird Euch jetzt sicher überraschen!), das einzig bemerkenswerte ist der lange überfällige
Ausstieg aus den Subventionen für die Steinkohleförderung. In Peking ist die Luft trotz der Sommerspiele im nächsten Jahr nicht wirklich
besser geworden (Gratulation an die Mitarbeiter der ARD, die Schlagzeile „Pekinger Luft macht Sportler krank” könnte ja fast aus der BILD-Zeitung sein!) und die Engländer scheinen die MKS-Epedemie
im Griff zu haben, keine neuen Fälle außerhalb der Quarantänezone. Und wenn ich ehrlich sein soll: Ich glaube, mein Blog kriegt ganz plötzlich Funktionsstörungen, wenn es nicht noch mindestens vier weitere Wochen Pause vor Einträgen über Schäuble oder Online-Durchsuchungen hat. Es ist Sommer, face it, Zeit, mal ein bißchen abzuschalten.
Grund genug für mich, über zwei Bücher zu berichten, die ich mit großem Vergnügen gelesen habe. Ich hatte ja schon
angekündigt, daß mein erster Roman von
Iain M. Banks nicht mein
letzter sein würde, und mittlerweile bin ich auch fertig mit
The Player Of Games - und ich bereue keine Sekunde. Banks schafft es immer wieder, Science Fiction-Geschichten zu schreiben, die auch ohne Strahlenwaffen und UFOs auskommen und den Leser alleine durch das komplizierte Spiel der Charaktere untereinander, die Veränderungen der Hauptpersonen oder einfach durch die faszinierende Umgebung fesseln. In diesem Roman gelingt Banks das alles auf einmal: Wir haben eine facettenreiche Geschichte, die gegen Ende hin immer schneller, temporeicher und bedrohlicher wird, wird haben eine Hauptperson, der erst nach und nach die Augen geöffnet werden und die sich dann in einer Art und Weise zu verändern beginnt, die dem Leser den Atem raubt, wir haben ein Finale vor einer Kulisse, die ihres gleichen sucht - und nicht zuletzt feiert am Ende der Humanismus einen triumphalen Sieg über die niederen Neigungen des Menschen - vier Komma fünf von fünf Sternen auf meiner persönlichen Skala.
Auch der zweite Roman ist eine Kreation von Banks - und meiner Meinung nach neben
Excession sein am besten gelungenes Werk - die Rede ist von
Use Of Weapons. Mag die Erzähltechnik - zwei zeitlich gegenläufige Handlungsstränge - noch niemandem vom Hocker reißen, so wird doch jeder, der mit den diversen Rezensionen über Banks und seine Werke vertraut ist, sehr bald erkennen, daß er in diesem einen Buch einfach alles richtig gemacht hat - oder besser, daß es sich keine der Schwächen seiner älteren Werke leistet. Der Leser findet in diesem Werk all' das, was ich oben bereits für „The Player Of Games” genannt habe - und bekommt den Beweis, daß Banks eigentlich doch Brite ist: Tiefschwarzer Humor, spottender Sarkasmus, beißender Zynismus - ich habe noch nie zuvor ein Buch gelesen, daß mich auf der einen Seite erschaudern und bei der nächsten Seite in Lachtränen ausbrechen ließ - auf jeden Fall fünf von fünf Sternen auf meiner persönlichen Skala.
Dazu empfehle ich übrigens die
Nelson-Messe (und auch das „Te Deum”!) von Haydn - wer liest schon gerne in absoluter Stille (ok, abends im Bett vor dem Einschlafen mag man da mal eine Ausnahme machen)?