Bildung sollte keine Glückssache sein
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Politik & Nachrichten
Dienstag, 31. Juli 2007
„Bildung ist ein Menschenrecht”, sagte unser Bundespräsident Horst Köhler auf dem Weltlehrerkongress, der von 22. Juli bis zum 26. Juli in Berlin stattfand. Und spricht damit natürlich auf die Verhältnisse an, die in vielen Ländern der Dritten Welt herrschen. Zum Beispiel, daß dort ein Drittel der Kinder stirbt, bis sie das Schulalter erreichen. Daß von denen, die es schaffen, nochmal 15% sterben, bis sie die Schule abgeschlossen haben. Daß die Kinder, die die Schule beenden, in ein Land geworfen werden, in dem das Trinkwasser eine reine Glückssache ist und in dem man alle anderen Menschenrechte gerne mal mit den Füßen tritt. Manchmal habe ich schon das Gefühl, daß derartige Konferenzen ein Zielgruppenproblem haben - aber da ich für Bildung natürlich kein Experte bin, mag ich mich da irren.
Jetzt leben wir alle ja Gottseidank in der Bundesrepublik. Deutschland, nicht Österreich. Bzw. halt - das war doch eine Alpenrepublik. Egal. Auf jeden Fall ist unser Schulsystem ganz „knorke”, denn bei uns wird ab der Grundschule schon dafür gesorgt, daß die Kleinen alles Lernen, was sie später im Leben mal brauchen könnten. Der Umgang mit Computer? Klar, machen wir, sogar politisch korrekt und AGG-konform. Vor allem wir hier in Bayern, wir sind da an vorderster Front, is ja klar. Und damit aus den Kleinen später mal keine Menschen werden, die im Fernsehen so ein mieses Bild abgeben wie unser „Ähdmund” wird Medienkompetenz auch gleich abgehandelt. Irgendwer muß den Kindern ja zeigen, wie sie möglichst schnell an die guten Pornos oder an frei verfügbare Ballerspiele nach Machart des größten NATO-Mitglieds kommen. Da passt dann der Englischunterricht natürlich um so besser. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer, so munkelt man, reichern den dann auch gleich um die modernen Feindbilder an - Taliban in der dritten Klasse, Prost Mahlzeit. Und wir wären nicht Europas Klima-Gewissen, wenn das ganze nicht umweltfreundlich ablaufen würde.
Angesichts dieser paradiesischen Zustände kann ich die Reaktionen nicht verstehen, die mir oftmals entgegenschwappen, wenn ich im Netz unser Schulsystem mit Leuten aus Skandinavien oder Dänemark erörtere. Die Palette der Reaktionen reicht dann von gelinder Verwunderung bis zu unverholener Abneigung, viele freuen sich, daß ihnen unser Schulsystem erspart geblieben ist. Sie bringen kein Verständnis dafür auf, daß es nunmal wichtig ist, eine Bildungselite auf Gymnasien zu züchten oder Schüler auf Gesamtschulen bereits möglichst früh in weniger anspruchsvolle Kurse auszusortieren. Auch Konzepte wie ein völlig entwerteter Hauptschulabschluß scheint man dort nicht zu kennen. Und der ausgewogene und umfassende Grundschullehrplan führt ziemlich häufig zu Gelächter. Ich verstehe das gar nicht: Mit unserem Schulsystem stimmt doch alles! Die Kinder lernen halt nicht nur grundlegende Kulturtechniken, sondern auch das, was sie im Leben wirklich brauchen.
Kulturtechniken? Ach so, ja, Lesen, Schreiben, Rechnen. Erst neulich habe ich - nachdem ich eine Runde im Netz gezockt hatte - eine nette und hervorragend geschriebene Mail erhalten, in der mir der mir unterlegene Spieler zum Sieg gratuliert hat. Und wer sich auf Seiten wie mySpace & Co. umsieht, der wird ebenfalls keinerlei Grund haben, an der Beherrschung grundlegender Kulturtechniken durch unsere Jugend zu zweifeln. Wenn ihr mich fragt - das ist alles sinnlose Panikmache.
Nur das mit den SMS, das gibt mir auch öfter mal zu denken.
(Wer in diesem Eintrag Ironie findet, darf sie behalten!)
Jetzt leben wir alle ja Gottseidank in der Bundesrepublik. Deutschland, nicht Österreich. Bzw. halt - das war doch eine Alpenrepublik. Egal. Auf jeden Fall ist unser Schulsystem ganz „knorke”, denn bei uns wird ab der Grundschule schon dafür gesorgt, daß die Kleinen alles Lernen, was sie später im Leben mal brauchen könnten. Der Umgang mit Computer? Klar, machen wir, sogar politisch korrekt und AGG-konform. Vor allem wir hier in Bayern, wir sind da an vorderster Front, is ja klar. Und damit aus den Kleinen später mal keine Menschen werden, die im Fernsehen so ein mieses Bild abgeben wie unser „Ähdmund” wird Medienkompetenz auch gleich abgehandelt. Irgendwer muß den Kindern ja zeigen, wie sie möglichst schnell an die guten Pornos oder an frei verfügbare Ballerspiele nach Machart des größten NATO-Mitglieds kommen. Da passt dann der Englischunterricht natürlich um so besser. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer, so munkelt man, reichern den dann auch gleich um die modernen Feindbilder an - Taliban in der dritten Klasse, Prost Mahlzeit. Und wir wären nicht Europas Klima-Gewissen, wenn das ganze nicht umweltfreundlich ablaufen würde.
Angesichts dieser paradiesischen Zustände kann ich die Reaktionen nicht verstehen, die mir oftmals entgegenschwappen, wenn ich im Netz unser Schulsystem mit Leuten aus Skandinavien oder Dänemark erörtere. Die Palette der Reaktionen reicht dann von gelinder Verwunderung bis zu unverholener Abneigung, viele freuen sich, daß ihnen unser Schulsystem erspart geblieben ist. Sie bringen kein Verständnis dafür auf, daß es nunmal wichtig ist, eine Bildungselite auf Gymnasien zu züchten oder Schüler auf Gesamtschulen bereits möglichst früh in weniger anspruchsvolle Kurse auszusortieren. Auch Konzepte wie ein völlig entwerteter Hauptschulabschluß scheint man dort nicht zu kennen. Und der ausgewogene und umfassende Grundschullehrplan führt ziemlich häufig zu Gelächter. Ich verstehe das gar nicht: Mit unserem Schulsystem stimmt doch alles! Die Kinder lernen halt nicht nur grundlegende Kulturtechniken, sondern auch das, was sie im Leben wirklich brauchen.
Kulturtechniken? Ach so, ja, Lesen, Schreiben, Rechnen. Erst neulich habe ich - nachdem ich eine Runde im Netz gezockt hatte - eine nette und hervorragend geschriebene Mail erhalten, in der mir der mir unterlegene Spieler zum Sieg gratuliert hat. Und wer sich auf Seiten wie mySpace & Co. umsieht, der wird ebenfalls keinerlei Grund haben, an der Beherrschung grundlegender Kulturtechniken durch unsere Jugend zu zweifeln. Wenn ihr mich fragt - das ist alles sinnlose Panikmache.
Nur das mit den SMS, das gibt mir auch öfter mal zu denken.
(Wer in diesem Eintrag Ironie findet, darf sie behalten!)
Blogpause
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Mittwoch, 25. Juli 2007
Hier ist wegen Abwesenheit meinerseits erstmal eine Pause angesagt - weiter geht es dann ab ersten August. Und wenn alles klappt, kann ich Euch hier auch schon auf ein ganz besonderes Schmankerl hoffen lassen: Der einzige wahre Frank hat sich bereit erklärt, hier einen kleinen Gastbeitrag zum Thema „Anmachsprüche” (und warum sie trotzdem funktionieren) zu verfassen - und wir alle wissen, daß er da ein Profi ist 
Ich habe die Kommentare für die Seite vorsichtshalber deaktiviert, also nicht wundern, wenn da etwas von "Notfall"-Modus steht, das war einfach nur die bequemste Vorgehensweise.
Nun aber: Allen Leserinnen und Lesern solange eine angenehme Zeit!
Ich habe die Kommentare für die Seite vorsichtshalber deaktiviert, also nicht wundern, wenn da etwas von "Notfall"-Modus steht, das war einfach nur die bequemste Vorgehensweise.
Nun aber: Allen Leserinnen und Lesern solange eine angenehme Zeit!
Kochkompetenz
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Mittwoch, 25. Juli 2007
Aus aktuellem Anlass: Liebe Damenwelt, ich finde Emanzipation toll. Ehrlich. Aber es hat nichts damit zu tun, daß man "Kochen kann", wenn man weiß, wie lange die Makkaroni in die Mikrowelle müssen. Und das dann damit zu begründen, daß man ja „emanzipiert” ist, das glaubt doch niemand. Das ist schwach! Emanzipation heißt nicht, daß man hilflos in der eigenen Wohnung verhungert, wenn einem die Tiefkühltruhe geklaut wird.
Also wirklich!
Also wirklich!
Von grauen Dividenden zur haute couture
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Freizeit
Dienstag, 24. Juli 2007
Was haben die Sendergruppe „ProSiebenSat.1” und der Modekonzern „Hugo Boss” gemeinsam? Genau, beide kennen mittlerweile bestimmt eine ganze Menge Mitarbeiter des Private Equity-Unternehmens Permira. Damit will ich nun nicht andeuten, die Liebhaber gepflegter Business-Anzüge sollten sich Sorgen machen, denn wie wir bei Y! Finanzen nachlesen könne, haben Aufsichtsrat und Management den Anteilseignern davon abgeraten, das Angebot der Permira-Tochter „Red & Black” anzunehmen.
Moment Mal. Ein Unternehmen wie Permira ist an dem schwäbischen Modehersteller „Hugo Boss” interessiert? Ein Unternehmen, welches von ProSiebenSat.1 eine Renditeerhöhung von 22% auf 30% gefordert hat, will sich ernsthaft einen Modekonzern unter den Nagel reissen? Man stelle sich vor: Auf der einen Seite die Forderung nach Renditeerhöhungen und mehr verschuldung, auf der anderen Seite der Glamour der Textilbranche, die Parties, die Werbekosten, die Modenshows und im Falle von Boss natürlich noch die eigenen Ladenketten, über die die edlen Stoffe vertrieben werden - pro Jahr werden laut dem Vorstandsvorsitzenden der Hugo Boss AG, Herrn Dr. Bruno Sälzer, runde 35 Millionen Mark in diese investiert. Dazu meinte der Boss-Chef im SPIEGEL-Interview zuversichtlich:
Übrigens feiert die Marke Dior dieses Jahr ihren 60. Geburtstag - da dürfen sich die weiblichen Leser dieser Seite wohl auf einige ganz besonders schöne Handtaschen freuen
Moment Mal. Ein Unternehmen wie Permira ist an dem schwäbischen Modehersteller „Hugo Boss” interessiert? Ein Unternehmen, welches von ProSiebenSat.1 eine Renditeerhöhung von 22% auf 30% gefordert hat, will sich ernsthaft einen Modekonzern unter den Nagel reissen? Man stelle sich vor: Auf der einen Seite die Forderung nach Renditeerhöhungen und mehr verschuldung, auf der anderen Seite der Glamour der Textilbranche, die Parties, die Werbekosten, die Modenshows und im Falle von Boss natürlich noch die eigenen Ladenketten, über die die edlen Stoffe vertrieben werden - pro Jahr werden laut dem Vorstandsvorsitzenden der Hugo Boss AG, Herrn Dr. Bruno Sälzer, runde 35 Millionen Mark in diese investiert. Dazu meinte der Boss-Chef im SPIEGEL-Interview zuversichtlich:
Natürlich haben wir über diese großen Linien vorab schon gesprochen. Da geht es dann auch um die Größe von Investments. Dass wir etwa jedes Jahr rund 35 Millionen Euro in den Ausbau stecken [...], ist Permira durchaus bekannt.Auch sonst wirkt der Vorstandsvorsitzende gelassen - und das vielleicht mit Recht. So hatte Permira in dem Übernahmeangebot angekündigt, sowohl an der Fortführung der Geschäftstätigkeit (im gegensatz zu verkauf/zerschlagung) interessiert zu sein als auch keinerlei Umgestaltungen bei Manegement, Personalbestand oder Standortwahl anzustreben. Zum Umfeld seines Konzerns meinte Dr. Sälzer:
Klar, Inspiration, Aufregung, Glamour, das gehört eindeutig zu den Erfolgsgrundlagen im Modegeschäft. Seien sie sicher, dass ich diesen Punkt sehr ausführlich erklärt habe.- und meint damit natürlich die Damen und Herren von Permira. Der Übernahmeversuch von Boss, mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro im Jahre 2006 noch vor Prada, ist der letzte in einer längeren Serie von Übernahmen von Unternehmen der Modebranche durch Gesellschaften des Private Equity-Bereiches:
- im Juni 2003 etwa investierte das US-amierkanische Private Equity-Unternehmen „HMD Partners” 45 Millionen in den Modekonzern Escada
- im Dezember 2005 wechselte der Modehersteller Tommy Hilfiger für 1,6 Milliarden US-Dollar in den Besitz der Priavte Equity-Gruppe Apax Partners
- bereits 2004 hatte ein Konsortium aus Apax und Cinven die „CBR Holding” gekauft, zu der unter anderem die Marken Street One und Cecil gehören
- im Februar 2006 wurde die Jil Sander AG, erst kurz zuvor, nämlich 1999, vom italienischen Konzern Prada gekauft, an die englische Private Equity-Firma Change Capital Partners veräußert
Übrigens feiert die Marke Dior dieses Jahr ihren 60. Geburtstag - da dürfen sich die weiblichen Leser dieser Seite wohl auf einige ganz besonders schöne Handtaschen freuen
Am Rücken kraulen
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Freizeit
Samstag, 21. Juli 2007
Als ich das hier gelesen habe, mußte ich erstmal herzhaft lachen. Schon komisch, daß ausgerechnet im Sommer die Nachfrage nach Antibabypillen besonders groß ist - damit kann man ja wirklich nicht rechnen.
Tja, da werden wir wohl, bis der Rückstand aufgeholt ist, das eine oder andere Pärchen im Bekanntenkreis beim "am Rücken kraulen" beobachten dürfen, Gummis sind ja retro! Ich lach mich weg
Tja, da werden wir wohl, bis der Rückstand aufgeholt ist, das eine oder andere Pärchen im Bekanntenkreis beim "am Rücken kraulen" beobachten dürfen, Gummis sind ja retro! Ich lach mich weg
Heute schon „nachhaltig” gehandelt?
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Politik & Nachrichten
Freitag, 20. Juli 2007
Der Freitag ist ein wunderbarer Tag, um alte Kontakte zu pflegen und dabei bei Bedarf unauffällig neue zu knüpfen. Umso mehr gilt das natürlich, wenn das Wetter so fantastisch ist wie zur Zeit. Heute habe ich mich also mit einem ehemaligen Kollegen (mitlesende Frauen, der ist eine gute Partie - er arbeitet bei Estée Lauder, kann Euch also massig „Pröbchen” mitbringen!) zum Mittagessen verabredet, den ich seit Jahresanfang nicht mehr gesehen hatte. Entschieden hatten wir uns für einen dem Vernehmen nach sehr guten Italiener etwas außerhalb von München. Als wir dort angekommen sind, haben wir uns sehr gefreut, daß wir vorher doch einen Tisch reserviert hatten - ein „Geheimtipp” war des Restaurant nämlich wirklich nicht: Wo das Auge hinsah, nur Konzernklone und Büromiezen. Auf jedem Tisch mindestens zwei Handies oder Blackberries, keine einzige Nicht-Markensonnenbrille und selbst die Anzüge von der Stange sahen bei den meisten wie maßgefertigt aus. Kurz und gut: Die ideale Athmosphäre, um vollkommen anonym und unauffällig mit einem alten Bekannten zu plaudern. Das Essen war übrigens großartig: Nach einem Vorspeisenteller und Nudeln mit Salbseisauce habe ich mir hauchdünn geschnittene Kalbsschnitzel in Zitronensauce bestellt, daraufhin dann Käse mit Weintrauben und als Abschluß einen Teller hausgemachter Süßigkeiten. Dazu einen fruchtigen Rotwein - ich war hellauf begeistert.
In den Momenten des „gefräßigen Schweigens” kam ich natürlich nicht umhin, auch immer mal wieder ein paar Gesprächsfetzen von den Nachbartischen zu erhaschen. Und da hat mich dann ein Wort überrollt, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Die „Nachhaltigkeit”, oder, wie ich es auch oft auf Neudeutsch gehört habe, „sustainability”. Da redeten BWM-Mitarbeiter über „sustainability in production planning”, da hörte ich Schlagworte wie „Nachhaltigkeit schon im Entwicklungsprozess berücksichtigen”, „nachhaltige Strategien”, „mehr Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus”, „ökologische Nachhaltigkeit für innovative Produkte” und so weiter. Ehrlich gesagt - das war schon eine ziemlich erschreckende Erfahrung. Die anwesenden BMW'ler und Siemensianer sollen bitte Autos und Kraftwerke bauen - die Anteilseigner lassen denen doch so eine Fixation auf Umwelt- und Klimaschutz bestimmt nicht durchgehen. Oder?
Nach dem Mittagessen habe ich mir kurz die Zeit genommen und eine sehr flüchtige Suche im Netz durchgeführt - und siehe da, man findet klare Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit u.a. bei BASF, Deutsche Post World Net, Bayer und auch BMW. Nun gut, nach dem G8-Gipfel in Heiligendamm war ein gewisses Eingehen auf die Belange des Klimawandels wohl zu erwarten gewesen - aber derart massive Publicity, die noch dazu bis zur Basis kommuniziert wurde? Irritiert habe ich weitergesucht und bin dabei zunächst auf die „Initiative 2 Grad” aufmerksam geworden, deren Mitgliederliste eigentlich nur den Schluß zulässt, daß sie es ernst meinen mit dem, was sie sagen. Aber woher kommt dieser Gesinnungswandel? Was sagen Experten wie die Boston Consulting Group oder McKinsey dazu, wenn deutsche Unternehmer nicht mehr nur der Rendite, sondern plötzlich auch dem Klimawandel hinterherlaufen (OK, ertappt, das war eine rhethorische Frage - die verdienen natürlich auch mit Beratung an sowas Geld)? Werden wir derzeit etwa Zeugen eines Paradigmenwechsels in der deutschen Industrie? Abschließend beantworten kann ich das sicher nicht. Aber offensichtlich scheint Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor für die Bewertung von modernen Unternehmen geworden zu sein - und dafür kann wohl nicht nur der CO2-Emissionshandel veranwtortlich sein. Dienste wie das Carbon Disclosure Project oder das Sustainable Asset Management sprechen hier eine neue Sprache von ökologischem Bewusstsein und Transparenz. Umweltschutz als Mittel zur Renditesteigerung?
Man mag davon halten, was man will, solange der Trend anhält, kann das für diesen Planeten nur gut sein. Hoffen wir, daß der Entwicklung selbst eine ähnliche Nachhaltigkeit anheftet, wie sie sie derzeit von den Unternehmen fordert. Ich für meinen Teil werde die Sache im Auge behalten - nachhaltig
In den Momenten des „gefräßigen Schweigens” kam ich natürlich nicht umhin, auch immer mal wieder ein paar Gesprächsfetzen von den Nachbartischen zu erhaschen. Und da hat mich dann ein Wort überrollt, mit dem ich nicht gerechnet hatte: Die „Nachhaltigkeit”, oder, wie ich es auch oft auf Neudeutsch gehört habe, „sustainability”. Da redeten BWM-Mitarbeiter über „sustainability in production planning”, da hörte ich Schlagworte wie „Nachhaltigkeit schon im Entwicklungsprozess berücksichtigen”, „nachhaltige Strategien”, „mehr Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus”, „ökologische Nachhaltigkeit für innovative Produkte” und so weiter. Ehrlich gesagt - das war schon eine ziemlich erschreckende Erfahrung. Die anwesenden BMW'ler und Siemensianer sollen bitte Autos und Kraftwerke bauen - die Anteilseigner lassen denen doch so eine Fixation auf Umwelt- und Klimaschutz bestimmt nicht durchgehen. Oder?
Nach dem Mittagessen habe ich mir kurz die Zeit genommen und eine sehr flüchtige Suche im Netz durchgeführt - und siehe da, man findet klare Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit u.a. bei BASF, Deutsche Post World Net, Bayer und auch BMW. Nun gut, nach dem G8-Gipfel in Heiligendamm war ein gewisses Eingehen auf die Belange des Klimawandels wohl zu erwarten gewesen - aber derart massive Publicity, die noch dazu bis zur Basis kommuniziert wurde? Irritiert habe ich weitergesucht und bin dabei zunächst auf die „Initiative 2 Grad” aufmerksam geworden, deren Mitgliederliste eigentlich nur den Schluß zulässt, daß sie es ernst meinen mit dem, was sie sagen. Aber woher kommt dieser Gesinnungswandel? Was sagen Experten wie die Boston Consulting Group oder McKinsey dazu, wenn deutsche Unternehmer nicht mehr nur der Rendite, sondern plötzlich auch dem Klimawandel hinterherlaufen (OK, ertappt, das war eine rhethorische Frage - die verdienen natürlich auch mit Beratung an sowas Geld)? Werden wir derzeit etwa Zeugen eines Paradigmenwechsels in der deutschen Industrie? Abschließend beantworten kann ich das sicher nicht. Aber offensichtlich scheint Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor für die Bewertung von modernen Unternehmen geworden zu sein - und dafür kann wohl nicht nur der CO2-Emissionshandel veranwtortlich sein. Dienste wie das Carbon Disclosure Project oder das Sustainable Asset Management sprechen hier eine neue Sprache von ökologischem Bewusstsein und Transparenz. Umweltschutz als Mittel zur Renditesteigerung?
Man mag davon halten, was man will, solange der Trend anhält, kann das für diesen Planeten nur gut sein. Hoffen wir, daß der Entwicklung selbst eine ähnliche Nachhaltigkeit anheftet, wie sie sie derzeit von den Unternehmen fordert. Ich für meinen Teil werde die Sache im Auge behalten - nachhaltig
Doch nur Glück gehabt?
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Donnerstag, 19. Juli 2007
Ich war ja der festen Überzeugung, das mit Freitag, dem 13., sei alles nur Aberglaube. Selbsterfüllende Prophezeihungen, statistisch nicht signifikant etc. pp. Aber wenn ich mir in den Kommentaren durchlese, was diesem Leser passiert ist, dann bin ich doch irgendwie froh, daß ich den Tag damals so gut überstanden habe.
Epo Classics jetzt bei Sat.1
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Politik & Nachrichten
Donnerstag, 19. Juli 2007
Ich will hier nicht lügen - in letzter Zeit hat mich Sat.1 wirklich gar nicht mehr interessiert. Wenn ich durch die Aufnahmeliste meines Videorecorders gehe, dann finden sich da zwar sechs Termine, doch eine Sendung bei Sat.1 ist nicht dabei. Nun verwundert das ja nicht weiter, ich gehöre wohl kaum zu typischen Zielgruppe dieses Senders (die, um einen Mitarbeiter der P7S1-Gruppe zu zitieren, "Frauen, und nicht die jungen" sind). Auch bin ich normalerweise nicht jemand, der sich viel mit Medienjournalismus beschäftigt, da gibt es Leute wie Herrn Niggemeier oder Herrn Schader, die das viel besser können. Und trotzdem hat es dieser Sender, der mich wirklich nur soviel interessiert wie der sprichwörtliche „Sack Reis in China” diese Woche geschafft, einen Teil meiner Aufmerksamkeit zu erlangen. Wie das? Tja, am Dienstag morgen habe ich mitbekommen, daß die Sendung Sat.1 am Mittag eingestellt wurde. An dieser Stelle möchte ich gar nicht weiter darauf eingehen, was das genau bedeutet, sondern verweise auf die beiden vorgenannten Herren, nämlich hier und hier. Interessant finde ich, daß in einer Stellungnahme kein einziges mal auch nur die leise Vermutung geäußert wird, das sei eine Spätfolge der Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch Permira/KKR.
Die zweite Neuigkeit habe ich erst heute erfahren. Nachdem ARD und ZDF dieEpo Classics Tour de France ja nicht mehr übertragen, bekomme ich heute mit, daß sich ProSiebenSat.1 die Senderechte unter den Nagel gerissen hat. Und da bin ich jetzt sprachlos.
Das einzige, was mir dazu einfällt, ist eine „hämische Spöttelei”: Genau wie die Männer und Frauen von sueddeutsche.de, die heute eine StundeEpo Classics Tour de France auf Sat.1 über sich haben ergehen lassen und das ganze minutiös protokollierten, möchte auch ich sagen: Tut mir leid, ihr habt nach wie vor nichts anzubieten, was mich interessiert. Mehr als 15 Minuten Ruhm bekommt ihr von mir bestimmt nicht!
Die zweite Neuigkeit habe ich erst heute erfahren. Nachdem ARD und ZDF die
Das einzige, was mir dazu einfällt, ist eine „hämische Spöttelei”: Genau wie die Männer und Frauen von sueddeutsche.de, die heute eine Stunde
Keine statistischen Auswertungen mehr
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Donnerstag, 19. Juli 2007
Nach reiflicher Überlegung in den letzten zwei Tagen habe ich mich entschlossen, in Zukunft auf die Dienste von blogscout.de sowie Google Analytics zu verzichten. Zum einen hat das Einbinden des Counter-Skripts von blogscout.de dazu geführt, daß sich die Ladezeiten der Seite teilweise extrem verzögert haben - vor allem, und da nervt es dann halt auch mich - im Vorschaubereich des Artikeleditors. Außerdem konnte ich die Bewertungen von blogscout.de einfach nicht immer nachvollziehen - ich bin mir aber sicher, daß das an mir liegt.
Google Analytics schließlich stelle ich ein, weil es für dieses kleine Angebot hier einfach viel zu „oversized” ist. Die Informationen, die mich am meisten interessiert haben, kann ich auch bekommen, wenn ich einmal pro Tag die Logfiles des Webservers auswerte (man sieht, wie wenig ich den von Google Analytics gebotenen Funktionsumfang genutzt habe).
Auf jeden Fall habe ich die Datenschutzerklärung jetzt angepaßt - und fühle mich auch selbst gleich viel wohler.
Google Analytics schließlich stelle ich ein, weil es für dieses kleine Angebot hier einfach viel zu „oversized” ist. Die Informationen, die mich am meisten interessiert haben, kann ich auch bekommen, wenn ich einmal pro Tag die Logfiles des Webservers auswerte (man sieht, wie wenig ich den von Google Analytics gebotenen Funktionsumfang genutzt habe).
Auf jeden Fall habe ich die Datenschutzerklärung jetzt angepaßt - und fühle mich auch selbst gleich viel wohler.
Pilze am Fuß des Wasserfalls
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Politik & Nachrichten
Dienstag, 17. Juli 2007
Gestern Abend habe ich in einem Restaurant ziemlich leckere Nudeln mit Putenbruststreifen und Steinpilzen gegessen. Ausgehend vom typischen Geruch der Pilze kamen wir dann irgendwie aufs Schwammerlsuchen und von da dann auf radioaktiv belastete Pilze (spätestens jetzt sollte klar sein, warum im Titel was von "Wasserfall" steht). Und keine Ahnung, was es war, aber als ich danach zu Hause war wurde mir wirklich so unglaublich schlecht, daß ich nicht anders konnte, als der, äh, "porzellanernen Jungfrau vollmundig mein Leid zu klagen". Kurz bevor ich irgendwann - draußen wurde es schon hell - dann doch noch zum Schlafen gekommen bin, war mein letzter bewusster Gedanke, daß ich unbedingt mal was über Vattenfall schreiben sollte.
Die Notabschaltung in Meiler "Krümmel" fand am 28. Juni statt, doch den ersten Artikel, mit dem ich wirklich etwas anfangen konnte, um zu verstehen, was sich ereignet hatte, fand ich erst eine Woche später bei Zeit Online. Der geneigte Leser erfährt dort, daß zunächst einmal die Stromzuleitung in das brennende "Trafohäuschen" nicht sofort unterbrochen, sondern weiterhin Strom mit einer Spannung von 380.000V eingeleitet wurde. Besonders interessant ist das angesichts der Aussage des schwedischen Kernkraftexperten Lars-Olov Höglund, daß der Transformator zur automatischen Brandbekämpfung Wasser verwendet - wenn man mich fragt, klingt das nach einer guten Idee! Besonders schlimm gebrannt hat es in dem Trafo ja, weil dort Öl ausgetreten ist - und zwar in größeren Mengen. Auf die Frage, wie sowas denn passieren könnte, es handle sich ja um einen geschlossenen Kreislauf, meinte ein Vattenfall-Sprecher lapidar: "Wir rätseln" - nachzulesen im SPIEGEL, Nr. 28, Seite 137. Wer mag, kann übrigens mal seinen Heizkeller anzünden und zusehen, wie effektiv er einen Ölbrand mit Wasser gelöscht bekommt (das ist jetzt kein Aufruf, das wirklich zu tun!).
Laut des o.g. Zeit Online-Artikels fiel danach der zweite Transformator des Kraftwerks ebenfalls aus (Ursache ungeklärt), was dann erst die Notabschaltung eingeleitet hat. Hier war ich persönlich überrascht: Das Kraftwerk verfügt, darf man dem Aritkel glauben, wohl nicht über eine Notstromversorgung, um kürzere Ausfälle zu überbrücken. Nein, so wie es aussieht, waren Teile vom Krümmel für einen Zeitraum von "zwei bis drei Sekunden" ohne Strom - unter anderem die Speisewasserpumpe des Reaktors. Diese ist dafür zuständig, den Wasserspiegel im Becken mit den Kernbrennstäben konstant zu halten. Nun wäre ein kurzer Ausfall dieser Pumpe nicht weiter erwähnenswert (das Becken wird in drei Sekunden wohl kaum gänzlich verdampfen), allerdings sprangen weder die Primärpumpe noch ein Ersatzgerät nach dem kurzzeitigen Stromausfall wieder an. Der Wasserspiegel in dem Becken soll dabei um ein bis zwei Meter gefallen sein. Um nun einem weiteren Verlust von Druck und Wasserspiegel entgegen zu wirken, wurde der Dampfkreislauf hin zu den Turbinen unterbrochen - verständlich, weniger Druck bedeutet ja auch weniger Hitzeableitung, und selbst, wenn die Reaktion schon gestoppt ist, kühlen die Brennstäbe ja nicht "instant" ab.
Hier zeigt sich, daß der Zeit Online-Artikel recht früh nach dem Unfall entstanden ist - er berichtet davon, daß sich zeitgleich Ventile geöffnet haben, die einen Überdruck im Reaktor verhindern sollen, der Druck ist dann von knapp 70 auf 20 Bar gefallen, und als letzte Notmaßnahme wurde die Reaktionskammer mit Wasser geflutet (auf Atom-U-Booten ist das Fluten des Reaktorbehälters mit Meerwasser übrigens ebefalls die finale Rettungsmaßnahme) und die Reaktion durch Senken der Steuerstäbe endgültig unterbrochen. Wo der Zeit Online-Bericht noch nicht sagen kann, warum genau das passiert ist, weiß SPON einige Tage später schon genaueres: Die betreffenden Ventile wurden von Hand geöffnet, der Reaktorfahrer hat seinen Vorgesetzten falsch verstanden. Verständlich ist das, schon recht früh wurde ja bekannt, daß das geniale Belüftungssystem des AKWs den Rauch aus dem Trafobrand (laut N-TV war ja auch Dioxin dabei) geradewegs in den Leitstand gepumpt hat, so daß man dort Atemschutzmasken tragen musste. Vielleicht war es aber auch einfach nur zu laut - denn den Berichten mehrerer Nachrichtenargenturen zufolge seinen zeitweise bis zu 20 Leute im Leitstand gewesen (eine Betriebsfeier wurde jedoch dementiert). Bei der ganzen Aktion hat es übrigens auch, wie man in den o.g. Artikeln nachlesen kann, einen kleineren Datenverlust in den Computersystemen gegeben - was genau das nun war, werden wir wohl nie erfahren.
Zusammen mit der Berichterstattung in der Folgezeit, z.B. den nicht vorschriftsmäßigen Dübeln in Biblis und Brunsbüttel (sowie 14 "verdächtigen" Dübeln in Krümmel) oder dem Leck im Turbinenbereich bleibt da schon ein sehr fader Nachgeschmack. Nicht nur, wie langsam und schleppend die Ereignisse an die Öffentlichkeit kommuniziert wurden oder wegen des von der Öffentlichkeit arg beachteten Durchsuchungsbefehls für Krümmel, sondern auch, weil es hier ganz offensichtlich mehrmals zu technischem Versagen gekommen ist. In seinem Buch Die Logik des Misslingens schildert Dietrich Dörner u.a. die Kette der Ereignisse, die am Ende zur Explosion des Meilers in Tschernobyl geführt hat. Er stellt besonders heraus, wie das Leitteam von der Situation überrascht und unter Druck gesetzt wurde und es schließlich aufgrund multipler technischer Fehler nicht mehr geschafft hat, die Katastrophe zu verhindern - schließlich sind Atomreaktoren mit die komplexesten technischen Artefakte, die der Mensch erschaffen hat. Beim Lesen der verschiedenen Berichte über den Störfall in Krümmel habe ich viel zu oft an eben jenes Kapitel denken müssen, was zu mehr als nur einer Gänsehaut beigetragen hat - trotz der herrschenden Temperaturen.
Nicht kalt, sondern ganz heiß vor Zorn wird mir, wenn ich mir ansehe, wie Vattenfall reagiert hat und dabei ein Detail bemerke: Man entlässt den Vorstand der Atom-Sparte von Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE), Bruno Thomauske - und der war früher übrigens beim Bundesamt für Strahlenschutz, wo er im Rahmen seiner Tätigkeit an der Genehmigung mehrerer Zwischenlager in Deutschland mitgearbeitet hat. Wenn das kein Filz ist, dann weiß ich auch nicht.
Für meinen Teil habe ich allerdings bereits eine gewichtige Entscheidung getroffen: In der nächsten Zeit werde ich meine Ernährung möglichst pilzarm gestalten.
Die Notabschaltung in Meiler "Krümmel" fand am 28. Juni statt, doch den ersten Artikel, mit dem ich wirklich etwas anfangen konnte, um zu verstehen, was sich ereignet hatte, fand ich erst eine Woche später bei Zeit Online. Der geneigte Leser erfährt dort, daß zunächst einmal die Stromzuleitung in das brennende "Trafohäuschen" nicht sofort unterbrochen, sondern weiterhin Strom mit einer Spannung von 380.000V eingeleitet wurde. Besonders interessant ist das angesichts der Aussage des schwedischen Kernkraftexperten Lars-Olov Höglund, daß der Transformator zur automatischen Brandbekämpfung Wasser verwendet - wenn man mich fragt, klingt das nach einer guten Idee! Besonders schlimm gebrannt hat es in dem Trafo ja, weil dort Öl ausgetreten ist - und zwar in größeren Mengen. Auf die Frage, wie sowas denn passieren könnte, es handle sich ja um einen geschlossenen Kreislauf, meinte ein Vattenfall-Sprecher lapidar: "Wir rätseln" - nachzulesen im SPIEGEL, Nr. 28, Seite 137. Wer mag, kann übrigens mal seinen Heizkeller anzünden und zusehen, wie effektiv er einen Ölbrand mit Wasser gelöscht bekommt (das ist jetzt kein Aufruf, das wirklich zu tun!).
Laut des o.g. Zeit Online-Artikels fiel danach der zweite Transformator des Kraftwerks ebenfalls aus (Ursache ungeklärt), was dann erst die Notabschaltung eingeleitet hat. Hier war ich persönlich überrascht: Das Kraftwerk verfügt, darf man dem Aritkel glauben, wohl nicht über eine Notstromversorgung, um kürzere Ausfälle zu überbrücken. Nein, so wie es aussieht, waren Teile vom Krümmel für einen Zeitraum von "zwei bis drei Sekunden" ohne Strom - unter anderem die Speisewasserpumpe des Reaktors. Diese ist dafür zuständig, den Wasserspiegel im Becken mit den Kernbrennstäben konstant zu halten. Nun wäre ein kurzer Ausfall dieser Pumpe nicht weiter erwähnenswert (das Becken wird in drei Sekunden wohl kaum gänzlich verdampfen), allerdings sprangen weder die Primärpumpe noch ein Ersatzgerät nach dem kurzzeitigen Stromausfall wieder an. Der Wasserspiegel in dem Becken soll dabei um ein bis zwei Meter gefallen sein. Um nun einem weiteren Verlust von Druck und Wasserspiegel entgegen zu wirken, wurde der Dampfkreislauf hin zu den Turbinen unterbrochen - verständlich, weniger Druck bedeutet ja auch weniger Hitzeableitung, und selbst, wenn die Reaktion schon gestoppt ist, kühlen die Brennstäbe ja nicht "instant" ab.
Hier zeigt sich, daß der Zeit Online-Artikel recht früh nach dem Unfall entstanden ist - er berichtet davon, daß sich zeitgleich Ventile geöffnet haben, die einen Überdruck im Reaktor verhindern sollen, der Druck ist dann von knapp 70 auf 20 Bar gefallen, und als letzte Notmaßnahme wurde die Reaktionskammer mit Wasser geflutet (auf Atom-U-Booten ist das Fluten des Reaktorbehälters mit Meerwasser übrigens ebefalls die finale Rettungsmaßnahme) und die Reaktion durch Senken der Steuerstäbe endgültig unterbrochen. Wo der Zeit Online-Bericht noch nicht sagen kann, warum genau das passiert ist, weiß SPON einige Tage später schon genaueres: Die betreffenden Ventile wurden von Hand geöffnet, der Reaktorfahrer hat seinen Vorgesetzten falsch verstanden. Verständlich ist das, schon recht früh wurde ja bekannt, daß das geniale Belüftungssystem des AKWs den Rauch aus dem Trafobrand (laut N-TV war ja auch Dioxin dabei) geradewegs in den Leitstand gepumpt hat, so daß man dort Atemschutzmasken tragen musste. Vielleicht war es aber auch einfach nur zu laut - denn den Berichten mehrerer Nachrichtenargenturen zufolge seinen zeitweise bis zu 20 Leute im Leitstand gewesen (eine Betriebsfeier wurde jedoch dementiert). Bei der ganzen Aktion hat es übrigens auch, wie man in den o.g. Artikeln nachlesen kann, einen kleineren Datenverlust in den Computersystemen gegeben - was genau das nun war, werden wir wohl nie erfahren.
Zusammen mit der Berichterstattung in der Folgezeit, z.B. den nicht vorschriftsmäßigen Dübeln in Biblis und Brunsbüttel (sowie 14 "verdächtigen" Dübeln in Krümmel) oder dem Leck im Turbinenbereich bleibt da schon ein sehr fader Nachgeschmack. Nicht nur, wie langsam und schleppend die Ereignisse an die Öffentlichkeit kommuniziert wurden oder wegen des von der Öffentlichkeit arg beachteten Durchsuchungsbefehls für Krümmel, sondern auch, weil es hier ganz offensichtlich mehrmals zu technischem Versagen gekommen ist. In seinem Buch Die Logik des Misslingens schildert Dietrich Dörner u.a. die Kette der Ereignisse, die am Ende zur Explosion des Meilers in Tschernobyl geführt hat. Er stellt besonders heraus, wie das Leitteam von der Situation überrascht und unter Druck gesetzt wurde und es schließlich aufgrund multipler technischer Fehler nicht mehr geschafft hat, die Katastrophe zu verhindern - schließlich sind Atomreaktoren mit die komplexesten technischen Artefakte, die der Mensch erschaffen hat. Beim Lesen der verschiedenen Berichte über den Störfall in Krümmel habe ich viel zu oft an eben jenes Kapitel denken müssen, was zu mehr als nur einer Gänsehaut beigetragen hat - trotz der herrschenden Temperaturen.
Nicht kalt, sondern ganz heiß vor Zorn wird mir, wenn ich mir ansehe, wie Vattenfall reagiert hat und dabei ein Detail bemerke: Man entlässt den Vorstand der Atom-Sparte von Vattenfall Europe Nuclear Energy (VENE), Bruno Thomauske - und der war früher übrigens beim Bundesamt für Strahlenschutz, wo er im Rahmen seiner Tätigkeit an der Genehmigung mehrerer Zwischenlager in Deutschland mitgearbeitet hat. Wenn das kein Filz ist, dann weiß ich auch nicht.
Für meinen Teil habe ich allerdings bereits eine gewichtige Entscheidung getroffen: In der nächsten Zeit werde ich meine Ernährung möglichst pilzarm gestalten.
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