Die Fleischfresser-Fraktion
Geschrieben in
Menschliches
Donnerstag, 25. Oktober 2007
Es ist also nicht mehr leicht, einen Ort oder eine Situation zu finden, in denen Frauen noch Frauen und Männer noch Männer sind. Gut, wenn wir uns Kinofilme anschauen, da ist nach wie vor alles beim Alten, und je „tougher” die Frauen sich im täglichen Leben geben, desto größer ist ihre Macke bei „Schnulzen” - soll heißen, sie heulen wie die Schloßhunde. Aber zum Glück gibt es noch einen Ort, an dem die Unterschiede kaum deutlicher zu Tage treten könnten: Die Rede ist vom Supermarkt nach Feierabend. Schaut nicht so skeptisch, ich liefere Beispiele nach!
Zunächst muß ich dazu sagen, daß ich Supermärkte liebe. Eine riesengroßer Laden, und auf mehr als 90% der Fläche geht es um das (zweit?)schönste Thema der Welt: Essen (für das andere hat's nebenan ja den Drogeriemarkt). Wie könnte man diese Läden also nicht lieben? Ich liebe es, wenn ich nach Feierabend plötzlich Heißhunger bekomme, einen SUpermarkt aufzusuchen und dort einen Korb voller Fressaliern zu erstehen, den ich dann zu Hause in irgendwas Leckeres verwandeln kann. So auch gestern: Mir stand der Sinn plötzlich nach „Saltimbocca alla Romana”. Und gestern ist er mir zum ersten Mal so richtig aufgefallen, der Unterschied zwischen Männern und Frauen. Das ging schon beim Betreten des Markts los: Ich hatte mir gerade einen Tragekorb genommen und war auf dem Weg zum Gemüse, als mir aufgefallen ist, daß in der Obst- und Gemüseecke nur Frauen waren. Und die kennen da nichts, da kann man sich schonmal drei Minuten vor die Bananen stellen und jedes einzelne Bündel mit kritischem Blick mustern, drei davon in die Hand nehmen und wieder zurücklegen. Dann nimmt frau sich eine dieser Abreiß-Plastiktüten und läßt den Blick ganz genüßlich über die Tomaten schweifen - nur um nach vier Minuten zu entscheiden, daß man vielleicht doch lieber Zucchini kauft. Oder Zwiebeln? Halt, nein, vielleicht doch lieber Paprika. In einer Seelenruhe, um die man sie schon fast beneiden muß. Wenn sich Vertreter der Fleischfresser-Fraktion wie ich mal in die gesunde Ecke des Ladens verirren, dann haben sie normalerweise ein festes Ziel vor Augen ("Vier Tomaten!"), steuern zielstrebig das Regal an, werfen einen (und nur einen!) kurzen Blick auf das Angebot um sich dann zu entscheiden (daß 99% davon erst die Tomaten in den Wagen legen und dann die Plastiktüten abreißen, ist auch so ein Phänomen). Meine nächste Station gestern war dann die Fleischtheke. Vor mir eine Frau, hinter mir drei Männer. Wenn ein Mann Fleisch bestellt, dann ist das was ganz anderes, als wen neine Frau das tut. Der Mann interessiert sich für die Farbe (schön blutig!) und das Gewicht und nur an zweiter Stelle für die Konsistenz. Wenn er das dem Metzger mitteilt, klingt das so: "Zwei Kalbsfilets bitte." Kurz, prägnant, effizient. Wenn eine Frau Fleisch kauft, hört sich das dagegen so an: "Ah, guten Tag. Also, ich hätte gerne Kalbsfilets. Zwei Stück. Haben sie da noch zwei gute da? Wissen sie, ich mag das gar nicht, wenn die so harte Flausen drin haben. Wo stammen die denn übrigens her? Ich habe da nämlich neulich gelesen, daß..." - wenn ihr jetzt denkt, daß ich übertreibe, dann fragt doch einfach die Männer, die gestern hinter mir gestanden sind.
Wenn ein Mann durch einen Supermarkt geht, dann betrügen ihn seine Gene: Während er es sonst gewohnt ist, daß sein aus Urzeiten vererbter Orientierungssinn ihn zielsicher von Nahrungsquelle zu Nahrungsquelle lotst, so verläßt ihn diese Fähigkeit im Supermarkt vollkommen - das sieht man dann an den zahlreichen XY-Trägern, die mit leicht planlosem Gesicht die „crème fraîche” suchen, aber bei der Butter landen. Und weil diese Erfahrung für ihn erschreckend ist, kann auch kaum ein Mann einen Einkauf im Supermarkt genißen. Im Gegenteil, da wird dan mit fast schon militärischer effizienz ein Regal nach dem anderen abgearbeitet, der Korb oder Einkaufswagen mit Produkten gefüllt, die er schon immer kauft und wohl noch von zu Hause bei Muttern kennt und überhaupt alles getan, um diesen unheimlichen Ort so schnell wie möglich wieder verlassen zu können. Frauen dagegen scheinen sich im Supermarkt wohlzufühlen. Sei es, daß sie es genießen, endlich mal soviel Orientierung zu haben wie Männer (Gott, gut, daß ich nicht sexistisch bin!) oder weil das Einkaufen von Nahrungsmitteln durch vererbte Instinkte beruhigend wirkt - habt ihr schonmal eine Frau gesehen, die es im Supermarkt eilig hatte? Also ich nicht. Da wird gemütlich von Regal zu Regal geschlendert, man schaut sich alles mal an - und besser noch, nimmt es in die Hand - und entdeckt immer was Neues, egal, ob das nun auf dem Einkaufszettel stand oder nicht. Ach so, die Einkaufszettel, das ist noch so ein Phänomen: Wenn ein Mann merkt, daß er einkaufen muß, weil im Kühlschrank gähnende Leere herrscht, so entstehen vor seinem geistigen Auge in Sekundenbruchteilen die Bilder von 5 verschiedenen Gerichten, kombiniert mit dem, was er für Frühstück und Abendessen braucht. Der Mann ist dann in der Lage, das alles zu visualisieren und ohne Gedächtnisstütze einzukaufen. Zumindest glaube ich, daß das so ist, denn Männer mit Einkaufszetteln sehe ich kaum - dagegen jede Menge Frauen.
Was lernen wir daraus? Wir sollten dankbar sein, daß es Supermärkte gibt. Also zumindest wir Männer. Denn so toll wir auch in vielerlei Hinsicht das finden mögen, was der Volksmund gemeinhin unter „Emanzipation” zusammenfasst - und es ist ja auch praktisch, wenn man sich weder um die Tischreservierung im Restaurant noch um die Rechnung kümmern muß, um das Klischee mal zu bemühen - so schade ist es doch eigentlich, wenn diese kleinen, liebenswerten Unterschiede immer weniger werden. Ich für meinen Teil werde mir heute Abend eine fürchterliche Schnulze aus der Videothek ausleihen und in weiblicher Gesellschaft anschaun - denn da ist die Welt noch in Ordnung
petra - #1 - 25.10.2007 12:07 - (Antwort)
hi! ich bin nur durch zufall auf deine seite gekommen, aber der text ist klasse! den zeige ich heute abend mal meinem freund! ciao, petra
Stefan - #2.1 - 25.10.2007 13:16 - (Antwort)
Oh my god! Es ist die Dani! Dani, sag mal ganz schnell: Schlagsahne oder Schokosauce?
Stefan - #2.1.1.1 - 26.10.2007 11:09 - (Antwort)
So kennen wir unsere Dani. Wollen wir alle zusammen am Samstag paar Liter Alkohol kippen?
frank - #3 - 25.10.2007 17:22 - (Antwort)
hey, ich kann bügeln!
dani, bist du jetzt wieder länger da oder wie?
Stefan - #3.1.1 - 26.10.2007 11:10 - (Antwort)
Ich würde ja Frauen, die schwanger sind, nicht allzu ernst nehmen!
/me rennt weg!






